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| Aktuelle Studien zu psychischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Tanztherapie und Psychomotoriktherapie | 2026-02-23 16:05:25 | studienpsychischergesundheittanztherapie.pdf |
Aktuelle Studien zu psychischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Tanztherapie und Psychomotoriktherapie
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80 körper – tanz – bewegung 12. Jg., S. 80–83 (2024) DOI 10.2378/ktb2024.art14d © Ernst Reinhardt Verlag Aktuelles aus der Forschung Aktuelle Studien zu psychischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Tanztherapie und Psychomotoriktherapie Iris Bräuninger D ieser Beitrag fokussiert auf Studien, wel- che die Wirksamkeit von Tanztherapie (Ko / Lee 2023) und Psychomotorikthera- pie (Bräuninger / Röösli 2023; Bräuninger et al. 2024; Vriend et al. 2024) auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen un- tersuchten. Alle hier vorgestellten Forschungs- artikel können im Open Access kostenlos her- untergeladen werden. Wirksamkeit einer Smartphone-App mit tanz-, bewegungstherapeutischen Übungen für Jugendliche gegen Angst und für Achtsamkeit: ein RCT Ko und Lee (2023) überprüften in einem RCT, ob sich eine speziell entwickelte Smartphone- App mit tanz-, bewegungstherapeutischen Übungen auf die Angst und Achtsamkeitswahrnehmung von Jugendlichen in Korea auswirke. Die Schü- lerInnen (N = 60 Mittelschüler Innen, Durch - schnittsalter 13.45 Jahre, 32 weiblich) wurden über das soziale Netzwerk der Schule rekrutiert und anhand der State-Trait Anxiety Inventory-X und Korean Mindful Attention Awareness Scale im Prä-Test und Post-Test geprüft. Die Teilneh- merInnen der Interventionsgruppe (n = 30, da- von 16 weiblich) erhielten ein Tablet für die App-basierte Lazy- Atemübung (tiefes Atmen: Der Zeigefinger malt langsam eine Acht seit - wärts in die Luft, der / die TeilnehmerIn beob- achtet ihre Finger, atmet während der Hälfte der Acht ein, während der anderen Hälfte aus und spürt ihre Bewegung. Der animierte Koala wurde in der App als Character gewählt für tiefes, trä- ges Nasenatmen und für das Bewusstsein sei- nes Selbst). Die Kontrollgruppe (n = 30) erhielt keine Behandlung. Die Vortestergebnisse bei- der Gruppen durch einen t-Test unabhängiger Stichproben bestätigte die Vergleichbarkeit der Gruppen. Die Post-Test-Ergebnisse beider Grup- pen wurden durch einen t-Test unabhängiger Stichproben analysiert, um den Effekt der ver- zögerten Atmung zu bestätigen. Der Vergleich der Ergebnisse vor und nach dem Test zeigte eine statistisch signifikante Verringerung der Angst in der Interventionsgruppe nach der In- tervention, jedoch keinen signifikanten Effekt in der Kontrollgruppe. Beide Gruppen zeigten leichte Verbesserungen der Achtsamkeitswahr- nehmung, diese war jedoch statistisch nicht si- gnifikant. Die AutorInnen schlussfolgern, dass sich eine Smartphone-App-basierte DMT (dance / movement therapy)-Intervention für (koreani - sche) Jugendliche eigne, um Ängste in einem persönlichen Raum angehen zu können, ohne sich stigmatisiert zu fühlen.
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Aktuelles aus der Forschung 2 | 2024 81 Wirksamkeit von PMT bei Kindern und Jugendlichen mit Angstsympto- matik: ein Systematischer Review Vriend und Kolleginnen (2024) führten einen Systematischen Review zur Wirksamkeit der Psychomotoriktherapie (PMT) bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 18 Jahren mit Spezifischer Phobie (SP), generalisierter Angst- störung (GAD) und sozialer Angststörung (SAD) durch. Hierfür sammelten sie Daten in PsycINFO, Medline, Embase, ERIC und Web of Science zwischen 01 / 2020 und 04 / 2022, welche von zwei der Autorinnen (EV und JM) ausgewählt und kritisch bewertet wurden. Einschlusskri - terien: a) Studien: RCTs, kontrollierte klinische Studien, Interventionsstudien mit Prä-Test-Post- Test-Design; b) Publikationszeitraum 1994 bis 4 / 2022; c) Diagnosen: mindestens ein / e Teil- nehmerIn mit SP , GAD und SAD mit DSM-IV, DMS-IV-TR oder DSM-5 diagnostiziert; d) Klient- Innen: 0–18 Jahre; e) Interventi onen: haupt - sächlich körper- oder bewegungs orientiert, f) Publikationssprache Englisch oder Niederlän- disch. Ausschlusskriterien: a) nicht auf DSM- IV, DSM-IV-TR oder DSM-5 basierte Diagnosen; b) Angst als komorbide Störung; c) frühere Re- views; d) theoretische Arbeiten; e) reine Beur- teilungsstudien. Die Schlüsselwörter „specific phobia“, „generalized anxiety disorder“, „so - cial anxiety disorder“, „body- oriented psycho- therapy“, „movement-oriented psychothera - py“, und „psychomotor therapy“ wurden mit Schlüsselwörtern für Psychomotoriktherapie aus einer bereits vorhandenen Datei zusam - mengeführt. Von ursprünglich 1438 gefunde - nen Artikeln wurden, nach Abzug der Dupli- kate, 1092 anhand des Titels gescreent und davon 258 im Abstract gelesen, 212 entspra - chen nicht den Einschlusskriterien. Letzt end- lich wurden 46 Artikel im Volltext analysiert, aber nur eine Studie entsprach den Einschlusskriteri- en (die Studie verglich kognitive Therapie mit Entspannungstherapie (RT) auf GAD bei Kin - dern). Aufgrund der Datenlage schlussfolger - ten die Autorinnen, es können keine Rück - schlüsse auf die Wirksamkeit von PMT bei Kin- dern und Jugendlichen mit SP , GAD oder SAD gezogen werden. Wirksamkeit der PMT auf sozial- emotionale Kompetenzen bei Kindern der 1. / 2. Klasse: eine Mixed-Methods Studie In einer Mixed-Methods-Studie wurde zum einen anhand des RCTs die Wirksamkeit der PMT auf die Förderung sozial-emotionaler Kom- petenzen und Reduzierung von Verhaltensstö- rungen bei Kindern der 1. / 2. Klasse überprüft (N = 28, M Alter = 7 ,55 Jahre, SD = 0,78) (Bräu- ninger / Röösli 2023). Zum anderen wurden die in 14–15 Lektionen eingesetzten PMT-Interven- tionen erfasst, um zu erfahren, welche Interven- tionen die PraktikerInnen zur Förderung sozial- emotionaler Kompetenzen und Reduktion von Verhaltensauffälligkeiten einsetzten (Bräunin- ger et al. 2024). Beim RCT wurden fünf Kinder von der Da - tenanalyse ausgeschlossen, 15 Kinder wur - den in die PMT-Interventionsgruppe (M Alter = 7 ,62 Jahre, SD = 0,91) und 13 in die Wartekon- trollgruppe (MAlter = 7 ,47 Jahre, SD = 0,63) rando- misiert. Aufgrund der Datenverteilung wurde ein nichtparametrisches Verfahren (Wilcoxon- Test) für die Datenerhebung verwendet. Im Prä- Test-Post-Test füllten alle Kinder die Sozial- Emotionale Kompetenzskala (IDS-2 SEK) (Grob et al. 2018) aus, ihre Eltern füllten den Eltern - fragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen aus (CBCL / 6–18 R, Döpfner et al. 2014). Folgende Ergebnisse wurden er - mittelt: 1. In der Interventionsgruppe zeigte sich beim Vergleich von Prä-Test (Md = 50,00) mit Post-Test (M d = 57 ,00) eine signifikante Verbesserung im sozialkompetenten Verhal - ten (z = 2,217 , p = 0,013, n = 14) bei t2, jedoch nicht in der Wartekontrollgruppe. 2. Entgegen der Hypothese gingen die CBCL-Werte Gesamt-
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Iris Bräuninger
probleme und Internalisierungsprobleme zu
t2 gegenüber t1 bei der Einschätzung der El -
tern der Wartekontrollgruppe zurück, jedoch
nicht bei der Einschätzung der Eltern der In-
terventionsgruppe (Bräuninger / Röösli 2023).
3. Fünf Therapeutinnen füllten insgesamt 157
Interventionschecklisten Psychomotorikthera-
pie aus. Deren Analyse ergab, dass Regelspie-
le, Bewegungsaufgaben, Körperwahrnehmung,
Konzentrationsübungen, Selbstwahrnehmung,
Förderung von Vertraut heit / Offenheit / Grup-
penkohäsion, reflektierende und situativ an -
passende therapeutische Haltung sowie ein
strukturierender Leitungsstil am häufigsten
genannt wurden. Eine Korrelation zwischen
PMT-Interventionen und den Ergebnissen des
RCT konnte aufgrund der Datenlage nicht be -
rechnet werden. Die Autor innen diskutieren, ob
ein möglicher Zusammenhang zwischen den
am häufigsten eingesetzten PMT-Interventionen
und der Verbesserung der sozialen Kompeten-
zen einerseits bzw. den am seltesten eingesetz-
ten PMT-Interventionen (Bewegungsgeschichten,
Kreative und Künstlerische Interventionen, Psy-
chodrama, Entspannungstechniken) und dem
nicht Verbessern der emotionalen Kompe ten-
zen andererseits besteht, welche in nachfol -
genden Studien überprüft werden könnte
(Bräuninger et al. 2024).
Schlussfolgerung und Ausblick
Die hier vorgestellten Studien zur Überprüfung
der Wirksamkeit von Psychomotoriktherapie
(Bräuninger / Röösli 2023; Bräuninger et al.
2024; Vriend et al. 2024) präsentieren hetero-
gene Ergebnisse und weisen auf die Lücke in
der Forschung zum Thema psychische Ge -
sundheitsförderung mit PMT bei Kindern und
Jugendlichen hin. Die Studie zur Smartphone-
App mit tanz-, bewegungstherapeutischen
Übungen (Ko / Lee 2023) zeigt eine Möglich -
keit der Intervention für Jugendliche gegen
Angst, die niederschwellig, innovativ, selbst -
gesteuert und diskret ist. Diese sollte weiter
erprobt, die Anwendung in andere Sprachen
übersetzt und der Einsatz auf verschiedene
Alters gruppen ausgebaut und adaptiert wer -
den.
Literatur
Bräuninger, I., Röösli, P . (2023): Promoting social-
emotional skills and reducing behavioural
problems in children through group psycho-
motor therapy: A randomized controlled trial.
The Arts in Psychotherapy 85, 102051. In:
www.sciencedirect.com/science/article/pii/
S0197455623000588, https:/ /doi.org/10.1016/j.
aip.2023.102051
Bräuninger, I., Röösli, P ., Maier, L. (2024): Psycho-
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emotionaler Kompetenzen und Reduktion von
Verhaltensauffälligkeiten. motorik 1, 26–36. In:
www.reinhardt-journals.de/index.php/mot/
article/download/156231/6797 , https:/ /doi.
org/10.2378/mot2024.art05d
Döpfner, M., Plück, J., Kinnen, C. (2014): CBCL/6–
18R-TRF/6–18R-YSR/11–18R: Deutsche Schulal-
ter-Formen der Child Behavior Checklist von Tho-
mas M. Achenbach. Hogrefe, Göttingen / Bern
Grob, A., Meyer, C. S., Hagmann-von Arx, P . (2009):
Intelligence and Development Scales (IDS).
Intelligenz- und Entwicklungsskalen für Kinder
von 5–10 Jahren. Huber, Bern
Ko, K. S., Lee, W. K. (2023): A preliminary study
using a mobile app as a dance / movement the-
rapy intervention to reduce anxiety and enhance
the mindfulness of adolescents in South Korea.
The Arts in Psychotherapy 85, 102062, https:/ /
doi.org/10.1016/j.aip.2023.102062
Vriend, E., Moeijes, J., Scheffers, M. (2024):
Efficacy of psychomotor therapy for children
and adolescents with anxiety disorders –
A systematic literature review. Frontiers in
Child and Adolescent Psychiatry 2, 1182188.
In: www.frontiersin.org/articles/10.3389/
frcha.2023.1182188/full, https:/ /doi.
org/10.3389/frcha.2023.1182188
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Aktuelles aus der Forschung
Dr. Iris Bräuninger
Senior Researcher (Hoch-
schule für Heilpädagogik
Zürich IVE), Dozentin MA
Tanztherapie UAB Barcelona,
BTD-Supervisorin / Ausbilderin / Lehrthera-
peutin, KMP-Notatorin, Praxis Tanztherapie
Supervision Bodensee.
✉ Dr. Iris Bräuninger
dancetherapy@mac.com oder
iris.braeuninger@hfh.ch