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title: WirkfaktorenvonTanz
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source: WirkfaktorenvonTanz.pdf
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# WirkfaktorenvonTanz
## Page 1
Die Psychotherapie
vormals Psychotherapeut
Schwerpunkt: Künstlerische Therapien Originalien
Psychotherapie2023·68:280288
https://doi.org/10.1007/s00278-023-00661-x
Angenommen:16.März2023
Onlinepubliziert:31.Mai2023
©Der/dieAutor(en)2023
Wirkfaktoren von Tanz- und
Bewegungstherapie im
klinischen Kontext
EinepartizipatorischemultizentrischeStudie
SophiaM.Estel 1,2 ·SabineC.Koch 2,3,4
1 FachbereichPsychologie,ArbeitsgruppeKlinischePsychologie,Philipps-UniversitätMarburg,Marburg,
Deutschland
2 ForschungsinstitutfürKünstlerischeTherapie n,AbteilungfürKünstlerischeTherapienund
Therapiewissenschaften,AlanusHochschulefürK unstundGesellschaft,Alfter/Bonn,Deutschland
3 FakultätfürTherapiewissenschaften,Masterst udiengangTanz-undBewegungstherapie,SRH
HochschuleHeidelberg,Heidelberg,Deutschland
4 UniversityofMelbourne,Melbourne,Australien
In diesem Beitrag
Eine partizipatorische multizentrische
Studie
Klinische Stichprobe
· Vorgehen ·
Erhebungen und Messinstrumente·
Datenanalyse ·Ergebnisse
Diskussion
QR-Codescannen&Beitragonlinelesen
Zusammenfassung
In einer multizentrischen Wirkfaktorenstudie wurden 82 psychiatrische und
psychosomatischePatient*innen zurWirkweise vonTanz-undBewegungstherapie
(„dance movement therapy“, DMT) befragt. Hypothetisiert wurden (1) ein
positiverEffektderDMTaufStress (gemessenmitdervisuellenAnalogskala,VAS),
Selbstwirksamkeitserwartung(SWE;gemessenmitderAllgemeinenSelbstwirksamkeits
Kurzskala, ASKU;Beierlein et al.2012)undWohlbefinden (WB; gemessen mit dem
HeidelbergStateInventory,HSI;Kochetal. 2016),(2)dieVorhersagederVeränderungen
der3OutcomesüberdieBehandlungszeit durchallgemeine psychotherapeutische,
künstlerisch-therapeutische sowietanz-undbewegungstherapeutische Wirkfaktoren
(dmt-WF). Explorativ wurde der selbstkonstruierte Fragebogen zu spezifischen
Wirkfaktoren derDMT(DMT-SF)psychometrisch untersucht.DieErgebnissezeigten
eine signifikante Verbesserung aller Outcomes mit großem Effekt (p<0,0001;
η
p2=0,49).Die Veränderungen von Stress undWB konnten statistisch bedeutsam
durchdieallgemeinen psychotherapeutischen Wirkfaktoren vorhergesagt werden.
Für die DMT-SF-Skala ergaben sich zufriedenstellende Gütekriterien sowie eine
3-faktorielle Lösung mit den DimensionenEmbodiment, Konkretisierungund
Gespiegeltwerden(Varianzaufklärungvon61,28%).DiezusätzlichequalitativeAnalyse
dertextuellen Aussagen derPatient*innen über die Wirkweise von DMTbündelte
in einem thematischen Netzwerk eine Vielzahl von therapeutischen Wirkfaktoren
unter 6 globalen Themen. Die DMT wurde von der Hälfte der Patient*innen als
hilfreichste Therapieform im Behandlungsspektrum genannt. Es wurde deutlich,
dassdieDMTeinen bedeutsamen Beitrag alsintegrativ-medizinisches Verfahren im
klinischenKontextleistet.DesWeiteren legtendieErgebnissederDMT-SF-Skalanahe,
Embodiment(hierbesondersgekennzeichnetdurchInterozeption) alsGeneralfaktor
vonDMTsowieinBezugaufPsychotherapiei.Allg.stärkerzugewichtenundzukünftig
weiterzuuntersuchen.
Schlüsselwörter
Stress·Selbstwirksamkeit·PsychischesWohlbefinden·Embodiment·MixedMethods
280 DiePsychotherapie4·2023
## Page 2
Schwerpunkt
Allgemeine Wirkfaktoren
von Psychotherapie (CF)
Gemeinsame Wirkfaktoren
der künstlerischen
Therapien (JF)
Spezifische Wirkfaktoren von Kunsttherapie (A T-SF)
Spezifische Wirkfaktoren von Tanz-und Bewegungstherapie (DMT-SF)
Spezifische Wirkfaktoren von Dramatherapie/Psychodrama (DT/PD-SF)
Spezifische Wirkfaktoren von Musiktherapie (MT-SF)
Abb. 1 8TherapeutischeWirkfaktorenderkünstlerischenTherapien. ATarttherapy“,CFcommon
factors“,DMTdancemovementtherapy“,DTdramatherapy“,JFjointfactors“,MTmusictherapy“,
PDpsychodrama“,SFspecificfactors“.(NachDeWitteetal.2021)
Tanz- und Bewegungstherapie („dance
movement therapy , DMT) aktiviert Wirk-
faktoren (WF) von Psychotherapie, Kunst
und Bewegung. Die Fragestellung der
vorgestellten Studie Kann die DMT,
indem sie diese WF aktiviert, die ge-
sundheitsbezogenen psychologischen
Outcomes erlebter Stress, Selbstwirk-
samkeitserwartung (SWE) und Wohlbe-
finden (WB) verändern?“ wurde mithilfe
einer umfragebasierten partizipatori-
schen multizentrischen Studie beant-
wortet. Die Teilnehmenden konnten
präzise beschreiben, was für sie in der
DMT hilfreich war, und erwiesen sich in
ihrer Rolle als Forschungsbeteiligte im
Rahmen partizipativer Gesundheitsfor-
schung.
Einleitung
Zunehmende Wirksamkeitsnachweise
(Koch et al. 2014, 2019)d e u t e na u f
eine breite Wirkung der Tanz- und Bewe-
gungstherapie („dance movement ther-
apy“, DMT) hin. Die Ergebnisse dieser
Wirksamkeitsnachweise beziehen sich
auf alle randomisierten kontrollierten
Studien (RCT) im Feld der DMT und
Tanzinterventionen, die zwischen 1996
und 2018 veröffentlicht wurden. Sie zei-
gen für 14 verschiedene Populationen
u.a. einen signifikanten (sign.) Rückgang
von Depression und Angst sowie einen
sign. Anstieg von Wohlbefinden (WB)
und Lebensqualität. Dies ermöglicht zum
einen, Hypothesen über generelle Wirk-
faktoren (WF) der DMT aufzustellen, zum
anderen werden die Theoriebildung und
systematische Testungspezifischtanzthe-
rapeutischer WF angeregt (Koch 2017).
Wodurch wirkt die DMT?“, lautet deshalb
die aktuelle Forschungsfrage der Studie.
Nach Koch und Bräuninger ( 2020)
führt die DMT in ihrer Praxeologie Vor-
teile von Tanz und Bewegung mit denen
der psychotherapeutischen Behandlung
sowie der kreativen, künstlerisch-schöp-
ferischen Aktivität zusammen. Die DMT
aktiviert therapeutische WF von Psycho-
therapie, Kunst und Bewegung. DeWitte
etal.(2021)differenziereninihremScoping
Review eine hypothesengenerierende
Übersicht empirischer Studien zu WF der
künstlerischen Therapien (KüTh;k=67)
allgemeineWFvonPsychotherapie(„com-
mon factors“), gemeinsame WF der KüTh
(„joint factors“) und spezifische WF („spe-
cific factors“) der jeweiligen Disziplin der
KüTh, darunter der DMT (
. Abb. 1).
InBezugaufdasZusammenspieldieser
Typen von WF lässt sich auf Grawe et al.
(1994)undderenAnnahme referenzieren,
dass die konzeptuell verschiedenen WF
im therapeutischen Vorgehen nicht von-
einander getrennt sind, sondern die Ef-
fektivität der allgemeinen WF, vermittelt
über das konkrete Handeln, das von spe-
zifischenWirkannahmen bestimmtist,zu-
standekommt.AllgemeineWFnachGrawe
etal.(1994)sind:1)Problemaktualisierung,
2) Ressourcenorientierung, 3) therapeuti-
scheKlärung,4)Problembewältigungund
5) therapeutische Allianz.
Bezüglichkünstlerisch-therapeutischer
WFexistierteineVielzahlvonz.T.empirisch
basiertenAnnahmen(Gruber 2008;Oepen
und Gruber2014). Des Weiteren gibt es
eine Theorie über 5 Cluster therapeuti-
scher Wirkmechanismen: (a) Hedonismus,
(b) Ästhetik, (c) Symbol/nonverbale Be-
deutungsgestaltung, (d) enaktiver Über-
gangsraum und (e)Generativität (Produk-
tivität,Gestaltungbzw.Kreation)vonKoch
(2017),umdiezahlreichen undteilsbelie-
big aufgeführten WF in aktive und rezep-
tive Faktoren zu systematisieren. DeWitte
etal.( 2021)formulieren19Domänenem-
pirischgefundenertherapeutischerWFfür
die KüTh, wobei die am stärksten gewich-
teten WF Embodiment, Konkretisierung
und Symbol/Metapher gemeinsame WF
der KüTh sind.
Die Auseinandersetzung mit spezifisch
tanz- und bewegungstherapeutischen
(dmt-)WF wird seit einigen Jahren in
theoretischen Forschungsarbeiten (z.B.
Koch 2017), Auflistungen von Wirkan-
nahmen (z.B. Acolin 2016;K o c hu n d
Eberhard-Kaechele 2014; Tschacher et al.
2014) sowie deren systematischen Tes-
tungenvorangetrieben. WieDeWitte etal.
(2021)zusammenfassen,istbesondersder
nonverbale Charakterder DMT ein her-
vorstechenderWirkfaktor(Mannheimetal.
2013;S h i m2015), wodurch körperliche
Erfahrungen(Chyle et al.2020)e v o z i e r t
sowie die Wahrnehmung und Flexibi-
lisierung des Körpers(Mannheim et al.
2013;S h i m2015) geschult werden. Zu-
dem sind die eigeninitiierteAktivitätund
sensorische Beteiligung, Emotionsregu-
lationund die aus deraktivenExpression
resultierende agency und Probehan-
delnwichtigeWirkkomponenten(DeWitte
et al.2021; Koch und Bräuninger2020).
In der Arbeit von Mehling et al. (2011)
zeigt sich, dass die Körperwahrnehmung
einen zentralen Aspekt der verkörperten
Selbstwahrnehmung bildet. Die eigene
Verkörperung in Aktion sowie Interaktion
mit der Umwelt wahrzunehmen, ent-
spricht dem Bestreben von Organismen
nach Selbstorganisation und Ganzheit
(Varela und Maturana1980;D eJ a e g h e r
und Di Paolo 2007), in die Körper und
Geist integriert sind undin denen sie mit-
einander interagieren. Die Körper-Geist-
DiePsychotherapie4·2023 281
## Page 3
Schwerpunkt: Künstlerische Therapien Originalien
Verbindung, als Embodiment bezeich-
net, durch therapeutische Handlungen
zu bestärken, wird als zentrales Ziel der
DMT verstanden. Die Fragestellung der
Studie lautete: Kann die DMT, indem sie
WF der 3 Richtungen Psychotherapie,
Kunst und Bewegung aktiviert, zu einer
Veränderung der gesundheitsbezogenen
psychologischenOutcomeserlebterStress,
Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) und
WB beitragen?
Dem Mixed-Methods-Ansatz folgend
können einerseits mithilfe quantitativer
MethodenbisherigeErgebnissezueviden-
tendmt-WFempirischüberprüft,anderer-
seits anhand qualitativer Methoden neue
Informationen bezüglich der Wirkweise
der DMT explorativ generiert werden. Da
die DMT zumeist im klinischen Kontext
zur Anwendung kommt, ist die Erhebung
dortangesiedelt undermöglichteinepra-
xisbezogene, naturalistische Forschung.
Dabei steht die Sicht der Patient*innen
im Fokus, was auf dem partizipativen
AnsatzderGesundheitsforschung (Wright
2013) gründet und neben der objektiven
Veränderungsmessung von relevanten
Zielparametern therapeutischer Behand-
lung einen bedeutsamen Aspekt von
Therapieerfolgdarstellt.BisherigeStudien
deuten darauf hin, dass DMT zur Stress-
reduktion (Bräuninger 2006)s o w i ez u r
Steigerung vonSWundWB(Wiedenhofer
und Koch2017)beiträgt; diese Parameter
wurden auch in der vorliegenden Studie
als Outcome-Kriterien gewählt.
Es wurde angenommen, dass: 1) DMT
zur Abnahme von erlebtem Stress sowie
zum Anstieg von SWE und WB führt (Hy-
pothese 1), und 2) die erwartete positi-
ve Veränderung der 3 Outcomes sich je-
weilsdurchdieAusprägungvonallgemein
psychotherapeutischen, künstlerisch-the-
rapeutischensowiespezifischdmt-WFvor-
hersagen lässt (Hypothese 2).
Zudem wurde der selbstkonstruierte
Fragebogen namensDMT-SF-SkalazurEr-
fassung der dmt-WF psychometrisch und
faktorenanalytisch untersucht. Schließlich
diente eine qualitative Befragung der ex-
plorativen, partizipatorischen Erhebung
der Wirkweise der DMT.
Eine partizipatorische
multizentrische Studie
KlinischeStichprobe
Es wurden eine klinische Stichprobe von
82 Patient*innen (57 weiblich, 24 männ-
lich, eine Person o.A.; alle kaukasischer
Abstammung, außer einer Person afrika-
nischer Abstammung) mit einem durch-
schnittlichen Alter von 43 Jahren (SD
±13 Jahre; Range 19 bis 66 Jahre) zu
Beginn und am Ende ihrer psychothe-
rapeutischen Behandlung befragt. Sie
erhielten eine DMT, eingebettet in ein
multimodales Behandlungsangebot im
tagesklinischen (3,7%), teilstationären
(24,4%) oder stationären (72%) klini-
schen Kontext. Die Behandlungsdauer
reichte von 4 bis 12 Wochen oder länger
und betrug durchschnittlich 8 Wochen
(M=7,8 Wochen; SD ±2,2 Wochen). Hin-
sichtlich der klinischen Charakteristika
gaben im Rahmen der Selbstauskunft
41,25% der Patient*innen eine einzelne
psychische Erkrankung als Diagnose an,
58,75% nahmen entsprechende Mehr-
fachnennungen vor. Vorwiegende Leiden
in der Stichprobe waren durch eine af-
fektive Symptomatik (70%), Diagnose
im Bereich der neurotischen, Belastungs-
und somatoformen Störungen (66,25%)
und posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS; 17,5%) sowie allgemeine psycho-
somatische Symptomkomplexe gekenn-
zeichnet. In die Studie eingeschlossen
wurden volljährige Patient*innen mit
jeglichen psychischen und Verhaltensstö-
rungen(F00F99;KapitelVder10.Version
der internationalen statistischen Klassifi-
kation der Krankheiten und verwandter
Gesundheitsprobleme, ICD-10)undguten
Deutschkenntnissen, die während ihrer
Behandlung in einer (a) psychiatrischen,
(b) psychosomatischen oder (c) rehabili-
tativen Klinik mindestens einmal pro Wo-
che fortlaufend DMT-Gruppentherapie in
Anspruch genommen hatten. Ausschluss-
kriterium war weniger als 3 absolvierte
DMT-Sitzungen. Die Ethik-Kommission
der Philipps-Universität Marburg gab der
Studie ein positives Votum (Aktenzeichen
2021-06k).
Vorgehen
Die Studie wurde an 7 Gesundheitsein-
richtungen in Deutschland durchgeführt.
DieDMT-Interventionenhieltendieansäs-
sigen8TanztherapeutInnenab,vondenen
6 vom Berufsverband der Tanztherapeut-
Innen Deutschlands (BTD) e.V. zertifizier-
te Ausbildungen nachwiesen. Bei Interes-
se an einer Studienteilnahme wurden die
Patient*innen über Ziele und Ablauf der
Studie informiert, über Aspekte des Da-
tenschutzes aufgeklärt und unterzeichne-
ten eine Einverständniserklärung bezüg-
lichderFreiwilligkeitderStudienteilnahme
sowie der Möglichkeit des Rücktritts. Zu
Beginn(t0)undamEnde(t1)ihrerDMT-Be-
handlung füllten die Studienteilnehmen-
deneinenkurzenFragebogeninPapierver-
sionaus,derdie3Outcomeserfasste.Die-
ser wurde von den jeweiligen Tanzthera-
peut*innenimRahmenderDMT-Gruppen-
sitzungen ausgehändigt und nach 5-mi-
nütigerBearbeitungsdauereingesammelt.
AmEndederBehandlungerhieltendieStu-
dienteilnehmenden zudem einen Link zu
einer Online-Befragung (t2), die auf dem
Web-Portal Unipark.com zugänglich war.
Dort wurde ein umfangreicher Fragebo-
genkatalogpräsentiert;diesererfasstene-
ben den WF diverse Hintergrundinforma-
tionen.DieBearbeitungsdauerderOnline-
Befragungbetrugetwa30min.DieDaten-
erhebung fand vom 01.03.2021 bis zum
15.07.2021 statt.
ErhebungenundMessinstrumente
Standardisierte Messinstrumente werden
im Folgende lediglich benannt; für ge-
nauere Informationen: Estel (2021).
QuantitativeMethoden
Erlebter Stress wurde mithilfe der visuel-
len Analogskala (VAS) nach der Vorlage
von Faiz (2014) und SWE mithilfe der
Allgemeinen Selbstwirksamkeits Kurzska-
la (ASKU; Beierlein et al. 2012) erfasst.
Anhand des Heidelberg State Invento-
ry (HSI; in der Version von Koch et al.
2016)erfolgte die Erhebung vonWB über
24 Items und auf den 6 DimensionenAn-
spannung, depressiver Affekt, positiver
Affekt, Ängstlichkeit, Vitalität und Be-
wältigungsfähigkeitbzw.Resilienz.Nach
dem einleiten Satzanfang Ich fühle mich
282 DiePsychotherapie4·2023
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Schwerpunkt
Tab. 1 DeskriptiveStatistikderOutcomes(M±SD)inPrä-undPosttest, n=82
Outcomes VAS ASKU HSI
Prätest(t0) 6,68±1,79 2,71±0,79 2,73±0,86
Posttest(t1) 4,98±2,14 3,25±0,79 3,48±0,88
ASKU Allgemeine Selbstwirksamkeits Kurzskala (Beierlein et al. 2012),HSI Heidelberg State Inven-
tory (Koch et al. 2016),M Mittelwert,SD Standardabweichung,t0 Prätest,t1 Posttest,VAS visuelle
Analogskala
im Moment ...“ wird eine Liste mit Ad-
jektiven zum Befinden (z.B. entspannt,
kraftvoll, ängstlich) aufgeführt. Die Items
werden mit Hilfe einer 5-stufigen, end-
verbalisierten Likert-Skala (1: trifft nicht
zu und 5: trifft genau zu) beantwortet.
Die internen Konsistenzen in vorherigen
Studien, Cronbachs α, betrugen zwischen
0,68 und 0,94.
Die allgemeinen WF von Psychothera-
piewurdenunterZuhilfenahmedesFrage-
bogens zum Erlebenvontherapeutischen
Prozessen in der Gruppe (FEPiG; Vogel
etal. 2016)erhoben.ZurErfassungderWF
v o nK ü T hk a md i eA c t i v eF a c t o r so fC r e a -
tive Arts Therapies Scale (AF-CATs; Koch
2020a)zum Einsatz. Ein Beispiel-Item lau-
tet:WarenSieinnerlichbewegt/berührt?“.
Beantwortetwirdaufeiner6-stufigen,end-
verbalisierten Likert-Skala (1:überhaupt
nicht und 6: sehr stark). Bei einer Pro-
betestung mit Studierenden des Master-
studiengangsTanztherapie derSRHHoch-
schuleHeidelberg, die2DMT-Interventio-
nen absolvierten, wurde einCronbachsα
von 0,95 und 0,96 erreicht. Zur Erfassung
der spezifischen dmt-WF wurde, basie-
rend auf bisherigen Studienergebnissen,
einFragebogennamensDanceMovement
Therapy Specific Factors Scale (DMT-SF)
selbst entwickelt. Der DMT-SF erhebt die-
se über retrospektive Selbstauskunft und
umfasst 24 Items. Beispiel-Items lauten:
Wenn Sie an die DMT zurückdenken, in-
wiefern haben Sie Zugang zu Ihrem Kör-
per finden können?“ oder „... inwiefern
konntenSieetwasBedeutungsvollemeine
Form/einen Ausdruck geben?“. Beantwor-
tet wird auf einer 6-stufigen, endverba-
lisierten Likert-Skala (1:überhauptnicht
und 6:sehrstark). Bei einer Probetestung
mit 18 Studierenden des Masterstudien-
gangs Tanztherapie der SRH Hochschule
Heidelberg wurde nach einer DMT-Inter-
ventionein Cronbachsαvon0,93erreicht.
QualitativeMethoden
Es wurden krankheits- und behandlungs-
bezogene Informationen wie Diagnose,
Behandlungsdauer und -umfang, subjek-
tiv eingeschätzte Wirksamkeit der DMT,
derenBedeutungfürdenTherapieprozess
(Rangreihe erhaltener Therapieangebo-
te) sowie deren Effektivität auf einer 10-
stufigen Likert-Skala (1:garnicht bis 10:
sehr viel/sehr wichtig/sehr schnell/sehr
erfolgreich) erhoben. Drei anschließende
offene Fragen dienten (a) der subjektiven
Beschreibung der Wirkweise der DMT in
einemSatz,(b)einerbesondershilfreichen
Erfahrung im Umgang mit den eigenen
Problemen sowie (c) einer besonders
bereichernden Übung im Rahmen der
DMT.
Datenanalyse
DieDaten derPatient*innen wurdeninei-
ner Experimentalgruppe (EG) für die Ana-
lyse zusammengefasst. Die statistischen
Berechnungen erfolgtenmithilfederSoft-
ware SPSS Statistics for Windows (Ver-
sion27.0)vonIBM
®Cooperation,Armonk,
NY.
Zur Überprüfung der H1 diente eine
einfaktorielle MANOVA mit Messwieder-
holung,bei derZeitalsInnersubjektfaktor
fungierte. Es wurden explorativ multiva-
riate Analysen der Kovarianz (MANCOVA)
mitdenDifferenzvariablender3Outcomes
berechnet, um den potenziellen Einfluss
der Variablen Alter, Geschlecht, Diagno-
se, absolvierte Sitzungsanzahl der DMT,
Beginn der Studienteilnahme, Wichtigkeit
sowie Wirksamkeit der DMT systematisch
zu untersuchen.
Die H2 wurden anhand multipler li-
nearerRegressionsanalysenüberprüft.Bei
diesen dienten jeweils die allgemeinen
psychotherapeutischen, die künstlerisch-
therapeutischensowiediespezifischdmt-
WF als Prädiktoren. Als Kriterium wurde
in Modell1die beobachtete Veränderung
von erlebtem Stress, in Modell 2 die be-
obachtete Veränderung von SWE und in
Modell 3 die beobachtete Veränderung
von WB festgelegt.
Zur Untersuchung der psychometri-
schen Gütekriterien wurde die DMT-SF-
SkalaeinerdeskriptivstatistischenAnalyse
sowieeinerexploratorischenFaktorenana-
lyse (EFA) unterzogen.
Für die qualitative Analyse der textu-
ellen Daten zur Wirkweise der DMT wur-
de diethematischeAnalyse (TA; Attride-
Stirling 2001; Braun und Clarke2006)g e -
wählt.DieTAzieltdaraufab,überverschie-
deneDatenquellenhinwegwiederkehren-
de Themen zu identifizieren, deren Bezie-
hung zueinander zu analysieren und als
thematischesNetzwerk grafischmitden3
hierarchischenAbstraktionsebenengloba-
leThemen, organisierende Themen sowie
Basisthemen darzustellen.
Ergebnisse
Mittelwerte (M) und Standardabweichun-
gen (SD) für die 3 Outcomes der EG über
die Zeit sind in. Tab. 1 abgetragen und
in . Abb. 2 grafisch dargestellt.
Im Hinblick auf die H1 ergab die
MANOVA mit Messwiederholung einen
sign.Haupteffekt fürdenInnersubjektfak-
tor Zeitmit F(3, 79)=24,99; p<0,0001,
ηp2=0,49. Erlebter Stress nahm über die
Behandlungszeit sign. ab, mitF(1, 81)=
46,16, p<0,0001, ηp2=0,36. SWE mit
F(1, 81)=46,25, p<0,0001, ηp2=0,36
und WB mitF(1, 81)=57,67, p<0,0001,
ηp2=0,42nahmen sign. über die Behand-
lungszeitzu.DieErgebnissederMANCOVA
zeigen, dass kein sign. Einfluss der unter-
suchten Kovariaten vorlag außer einem
sign.EinflussdersoziodemografischenVa-
riableAlteraufdasWBmit F(1,57)=4,902,
p=0,031, η
p2=0,079, sowie des Beginns
der Studienteilnahme auf die SWE mit
F(1, 58)=4,95, p=0,030, ηp2=0,079.
Für die H2 zeigte sich anhand Mo-
dell 1 (R2=0,10, f2=0,18) und Modell 3
(R2=0,23, f2=0,38), dass die Verände-
rungen vonerlebtem Stress und WB sign.
durch die allgemeinen psychotherapeuti-
schen WF vorhergesagt wurden, während
die künstlerisch-therapeutischen sowie
dmt-WF keinen sign. Einfluss auf die
Veränderungen der beiden Ergebnisma-
ße hatten. Hinsichtlich der Veränderung
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Schwerpunkt: Künstlerische Therapien Originalien
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10
VAS ASKU HSI
M
t0 t1
Abb. 2 8GrafischeDarstellungderOutcomesinPrä-undPosttest, n=82. ASKUAllgemeineSelbst-
wirksamkeitsKurzskala(Beierleinetal. 2012),HSIHeidelbergStateInventory(Kochetal. 2016),MMit-
telwert,SDStandardabweichung,t0Prätest,t1Posttest,VASvisuelleAnalogskala
der SWE konnte im Modell 2 (R2=0,22,
f2=0,35) keine sign. Vorhersagekraft der
3 Wirkfaktorenbereiche nachgewiesen
werden.
DieexplorativeUntersuchungderWirk-
weise der DMT ergab in Bezug auf die
quantitativen Daten zufriedenstellende
psychometrische Gütekriterien der DMT-
SF-Skala. Die Trennschärfen betrugen
ri(t=/i) =0,430,84 im angemessenen bis
ausreichenden Bereich. Die Item-Schwie-
rigkeit war mitpi zwischen 62 und 82,4
im leichten bis mittleren Bereich und die
Reliabilität mit Cronbachs α von 0,95
im exzellenten Bereich. Die Dimensions-
reduktion der DMT-SF Skala ergab eine
3-faktorielle Lösung, wobei insgesamt
61,28% der Varianz in den Daten auf-
geklärt wurden. Dabei erwies sich der
erste Faktor Embodiment als General-
faktor, da 36,36% der Varianzaufklärung
durch diesen erfolgten. Der zweite Faktor
Konkretisierung klärte weitere 16,66%
und der dritte FaktorGespiegeltwerden
klärte 8,26% Varianz in den Daten auf.
Die entlang der Dimensionen gebildeten
Skalen des DMT-SF ergaben Reliabilitäten
mit Cronbachsαzwischen 0,74 und 0,96
im akzeptablen bis exzellenten Bereich.
Die TA (
. Abb. 3) erbrachte hinsicht-
lich der Untersuchung der Wirkweise
der DMT eine umfangreiche Zahl von
Basisthemen, die sich unter den 6 glo-
balen Themen Kontakt mit sich selbst,
Gruppe,Therapeut*in,Medium,Themen
und Atmosphäre zusammenfassen lie-
ßen. Dabei erhielten die BasisthemenZu-
gangzuneuenErfahrungen (10), Selbst-
wahrnehmung (13), Körperwahrneh-
mung (24), Problemwahrnehmung (30),
Problembewältigung (21), Erkennenvon
Zusammenhängen/Erkenntnisse (32),
Loslassen (17) sowie Wahrnehmung
von Emotionen(20) und Ausdruckvon
Emotionen (18) die meisten Nennungen
(absolute Anzahl in Klammern) von den
Patient*innen.
Diskussion
In Übereinstimmung mit der H1 zeigten
sich positive Veränderungen von erleb-
temStress,SWEundWBüberdieBehand-
lungszeit. Dieser Effekt kann mangels ei-
ner Kontrollgruppe (KG) und Inanspruch-
nahmeanderertherapeutischerAngebote
imRahmendermultimodalenBehandlung
nichtalleinaufdieDMTzurückgeführtwer-
den.DerAnteilderDMTamBehandlungs-
erfolg kann jedoch als hoch eingeschätzt
werden, da die Hälfte der Patient*innen
die DMT als hilfreichste Therapie im Ver-
gleichzuandereninAnspruchgenomme-
nenTherapieangebotenbenannte.Auchin
der Kategorie zweithilfreichste und dritt-
hilfreichste Therapie lag die DMT direkt
hinter der psychotherapeutischen Einzel-
und Gruppentherapie. Weiterhin empfan-
den 74,1% der Patient*innen die DMT als
unabkömmlich für ihren gesamten The-
rapieprozess. Dabei sind ein Selbstselek-
tionsbias und ein Bias der sozialen Er-
wünschtheitkritischimAugezubehalten.
InBezugaufdieH2VorhersagederVer-
besserung von erlebtem Stress, SWE und
WBdurch die allgemeinen, gemeinsamen
künstlerisch-therapeutischen und spezifi-
schen dmt-WF ergab sich ein uneindeuti-
gesErgebnis.Zurückzuführenistdiesesauf
das Ein-Gruppen-Prätest-Posttest-Design
derStudie,einefürdieBerechnung zuge-
ringerPowerunddiehoheKorrelationder
MaßeAF-CATsundDMT-SF-Skala,dieeine
Voraussetzungsverletzung für die Berech-
nung darstellte. Letzteres deutet darauf
hin, dass die WF der KüTh und der DMT
in hohen Maße übereinstimmen und wo-
möglich konvergieren. Im Sinne einer Au-
genscheinvalidität weisen die ermittelten
Regressionskoeffizienten darauf hin, dass
die allgemeinen psychotherapeutischen
WF als Prädiktoren einen bedeutsamen
BeitragzurVarianzaufklärunginBezugauf
die Veränderung von erlebtem Stress und
WB leisten. Letzteres Ergebnis steht im
Einklang mitdenBefunden vonWampold
et al. (2018),nach denen die Therapieme-
thode nur einen geringen Anteil an der
VarianzaufklärungdesTherapieerfolgshat.
In Bezug auf die DMT-SF-Skala ergibt
die 3-faktorielle LösungEmbodiment als
Generalfaktor.DurchdieLadungderItems,
diedieInteraktion vonPsycheundKörper
operationalisieren und nach dem Einfluss
der Bewegungen auf Emotionen und Ko-
gnition fragen, wird deutlich, dass es sich
bei diesem weniger um ein klar abgrenz-
baresKonstrukthandelt,sondernvielmehr
um eine Embodiment-Perspektive (Tscha-
cherundStorch 2012).DieseEmbodiment-
Perspektive befasst sich mit der Einheit
von Körper und Geist sowie dem Körper-
feedback (der Rückwirkung des Körpers
auf Denken und Fühlen, z.B. Koch2011).
Darunter fallen Aspekte der Körperwahr-
nehmungsowiederEntspannung,inneren
Balance,desSpaßesundderLebendigkeit
sowie der Zweckfreiheit und Flexibilisie-
rung von Bewegung.
Laut Birbaumer und Schmidt (2002)
stützt die Psychophysiologie der Emotio-
nen dieEmbodiment-Befunde, indemdas
ErlebenderEmotionenerstnachderWahr-
nehmungperiphererkörperlicherReaktio-
284 DiePsychotherapie4·2023
## Page 6
Schwerpunkt
Wirk -
faktoren
Gruppe
Therapeut*in
Atmosphäre
Themen
Medium
Kontakt mit
sich selbst
Bewegung (3)
Gestaltung (2)
Musik
Wahrnehmung (24)
Leibgedächtnis (4)
als Ausdrucks-
mittel (4)
V ertrauen (2)
Umgang mit dem
Körper (2)
Lockerung der
Muskulatur (5)
Einsatz (16)
optische Dar-
stellung (4)
Wahrnehmung (4)
als Ausdrucks-
mittel (7)
Abläufe (2)
Freude an
Bewegung (2)
Selbstwahrnehmung (13)
Selbstbewusstsein (6)
Selbstvertrauen (3)
Selbstöffnung (4)
Zugang zu
Ressourcen (2)
Innere Haltung (3)
Sich-selbst -Wiederfinden (3)
Zugang zu neuen Erfahrungen (10)
Ganzheitlichkeit (5)
Konfrontation und
Auseinandersetzung (2)
Problem
Wahrnehmung (30)
Bewältigung (21)
Erkennen von Zusammenhängen/
Erkenntnisse (32)
Lernen von
Bewältigungsstrategien (8)
Umfokussieren/Ablenken (3)
Auseinandersetzung
mit V ergangenheit (3)
Regulieren (3)
Loslassen (17)
Spannungs-/Stressabbau (6)
Emotionen
Bedürfnisse
Grenzen
Wahrnehmung (20)
Ausdruck (18)
Verstehen (6)
Wahrnehmung (5)
Befriedigung (2)
Wahrnehmung (2)
Umgang (8)
Umsicht (2)
Eingehen auf
Patient*innen (6)
Verständnis (3)
Problemwahr-
nehmung (5)
Zuspruch (4)
Erklärungen/An-
merkungen (6)
Kompetenz (8)
entspannt (3)
sicher, geschützt (3)
Innere Ruhe (6)
Wohlbefinden (2)
Einlassen auf
die Therapie (4)
Freiheit (6)
Beziehung zu
Patient*innen
fachliche
Kompetenz
Person
Einfühlsamkeit (5)
Annäherung (7)
Perspektivenwechsel (5)
Haltung (5)
Körper (5)
Sein in der
Gegenwart (5)
Sicherheit,
Geborgenheit (5)
Vertrauen (4)
Einsatz von
Materialien (10)
wertfrei (3)
Sich-zeigen (4)
Selbstbe-
stimmung (7)
Abb. 3 8ThematischesNetzwerkzuWirkfaktorenderDMT, n=82.GlobaleThemen blauhinterlegteKreise ,organisierende
ThemenblauumrandeteKästen ,Basisthemen ohneUmrandung,(Zahl)absoluteAnzahlderKodierungen
nen ausgestaltet wird. Dies unterstreicht
die Bedeutung der Wahrnehmung. Damit
übereinstimmend zeigt sich, dass Items,
diesichaufdieWahrnehmungdesKörpers
oder auf den Zugang zum Körper bezie-
hen,ebenfallshochaufdemFaktorluden.
D i e sd e c k ts i c hm i td e nE r g e b n i s s e nv o n
Mannheimetal.( 2013),beidenen Körper-
undSelbstwahrnehmung als ein WF von
DMT identifiziert wurde. Demnach ist im
Kontext der Ergebnisse die Interozeption/
Fähigkeit, eigene Körpersignale wahrzu-
nehmen und ihnen ergebnisoffen zu fol-
gen, als bedeutsam für Embodiment zu
erachten.
Hier findet sich die inhaltliche Nähe
zur Körperpsychotherapie, bei der Embo-
diment als ganzheitliches Erleben zu be-
trachten [ist], das umso tiefer, reicher und
genauerwird,jemehresmitdeninterozep-
tiven und propriozeptiven Wahrnehmun-
gen verbunden ist (Geuter2019, S. 426),
undbeidersichderspezifischekörperpsy-
chotherapeutische WF Förderungdes Er-
lebensalsinhaltsverwandt darstellt.Laut
Elliott et al. (2013) ist für therapeutische
Veränderung zentral, körperlich gefühltes
Erleben zu prozessieren und zu vertiefen.
In diesem Sinne kann Bezug genommen
werdenaufDeWitteetal.( 2021),dieEmbo-
dimentalseinzigartigen WFderKüThher-
vorheben. Dies wird dadurch begründet,
dassAktivitätundPhysikalitätimTherapie-
prozess der KüTh (z.B. sensorische Wahr-
nehmungvonMaterial undkünstlerischer
Kreation) die Verbindung zum Körper, die
Körperwahrnehmungsowieganzheitliche
Erfahrungen durch künstlerische Mittel in
denVordergrundstellenundverkörpertes
Erlebenfördernsowieaufgrund ihrer Res-
sourcenorientierungdieSWstärken(Koch
2017; Lange et al.2018). Die KüTh nutzt
zwar durch ihre künstlerische Arbeitswei-
se im Vergleich zu herkömmlichen ge-
sprächsbasierten Therapien Embodiment
in besonderem Maße, allerdings deuten
andereBefunde(DohrenbuschundScholz
2004;F i s h e re ta l .2011; Tschacher et al.
2007) darauf hin, dass Embodiment z.B.
als nonverbale Synchronie in der psycho-
therapeutischen Interaktion auftritt und
auch dort Körperhaltung, Gestik, Mimik
und Prosodieim Therapieprozess bedeut-
sameRollenspielen.Inwieferndadurchdas
Erleben vertieft wird, ist zu untersuchen.
Schließlich verweisen Pascual-Leone und
Greenberg(2007)darauf,dassdasErleben
(alseinMaßemotionalenVerarbeitens)als
einallgemeinerFaktor,derVeränderungen
über einzelne Verfahren hinweg erklärt,
fungieren könnte.
AufdemzweitenFaktorladenItems,die
eineÜbersetzungsfunktionwiderspiegeln.
DiePsychotherapie4·2023 285
## Page 7
Schwerpunkt: Künstlerische Therapien Originalien
Indem der Zusammenhang und Wechsel
von Innerem und Äußerem so aktiv und
bewusst wie möglich durch das Medium
Tanz bzw. Bewegung gestaltet wird, kann
Relevantes konkret und greifbar werden.
DamitzeigtsicheineweitereÜbereinstim-
mung mitderzweiten Dimension dervon
DeWitte etal.(2021)gefundenengemein-
samenWirkfaktorenderKüTh:der Konkre-
tisierung(alsAusdruckvoneineminneren
psychischenAspektineinemkünstlerisch-
kreativen Produkt).
AufdemdrittenFaktorladenItemsdes
Gespiegeltwerdens in Worten und Bewe-
gungen durch die Therapeut*in. Spiegeln
wird eingesetzt, um emotionales Verste-
hen und Empathie für andere zu stei-
gern (Berrol 2006). McGarry und Russo
(2011)untersuchtenpotenzielleMechanis-
men des Spiegelns und verwiesen darauf,
dass durch das Verstehen der emotiona-
lenIntentionenanderereineverstärkteAk-
tivität in spiegelneuronalen Schaltkreisen
einsetzt.Spiegelnstellteinerseitseineneu-
ronale, andererseits eine soziale Synchro-
nisation dar, beim Imitieren des körper-
lichen/motorischen Verhaltens einer Per-
son.DieErgebnisseknüpfenandiebeste-
hendeForschung(Kochetal. 2015;Shuper-
Engelhard et al.2019;C h y l ee ta l .2020)
undsprechendafür, Gespiegeltwerdenals
bedeutsameMethodederDMTsowie Syn-
chronie als WF zu erforschen.
Die qualitativen Ergebnisse machen
deutlich, was von den Patient*innen in
der DMT als hilfreich bzw. wirksam erlebt
wurde. Auffallend ist, dass gerade die Ba-
sisthemen der Wahrnehmung besonders
viele Nennungen vorwiesen. Damit sind
die empirischen Daten kongruent mit der
theoretisch formulierten Arbeitsweise der
DMT,inderdieWahrnehmung einGrund-
k o n z e p ti s t .L a u tW i l k e(2006)i s te i n e
aktive Ausdrucksarbeit ohne Eindrücke,
also ohne sensible Sinneswahrnehmung,
nicht möglich. Demnach wird die Wahr-
nehmungdesKörpers,derBewegung,der
eigenenEmotionenundBedürfnisseinder
DMT genutzt, um therapeutisches Materi-
al zu entdecken und bewusst zu machen.
Dies schult die von den Patient*innen
häufig genannte Selbstwahrnehmung,
die wiederum ermöglicht, sich im thera-
peutischen Prozess und der Interaktion
r e a le rle be nzuk ön n e n .D a dur chka n ndi e
Problemaktualisierung erreicht werden
(Graweetal. 1994;Willke 2007).Gleichsam
wird die Fremdwahrnehmung geschult,
in dem die Wahrnehmung auf die Um-
gebung (z.B. Atmosphäre, Gestaltung,
Musik), Mitpatient*innen innerhalb der
Gruppe sowie Therapeut*in gelenkt wird,
was von den Patient*innen als hilfreich
beschrieben wurde.
Bemerkenswert erscheint, dass die Pa-
tient*innen in der Lage waren, präzise
zu beschreiben, was für sie in der DMT
hilfreich war. Somit steht ihre reflektier-
te Selbstauskunft mancher Lehrmeinung
gegenüber undbestärktPatient*innen als
Forschungsbeteiligte im Rahmen partizi-
pativer Gesundheitsforschung (Eberhard-
Kächele, persönliche Kommunikation,
25.09.2022) und im Shared Decision-
Making, was sich als Paradigma im the-
rapeutischen Prozess etabliert (Schrauth
und Zipfel2005).
Dass die Studie die 3 Wirkfaktorenbe-
reiche erstmals für die DMT untersucht,
ist eine Stärke. Positiv ist die Methoden-
verschränkung, mit der der thematischen
Umfänglichkeit Rechnung getragen wur-
de. Die Ergebnisse ermöglichen, weitere
Forschungsfragen abzuleiten. Der Mangel
einer KG stellt eine besondere Limitation
der Studie dar. Zudem lassen die Ergeb-
nisse,aufgrunddersehrheterogenen und
durchhoheKomorbiditätgekennzeichne-
t e nS t i c h p r o b e ,k e i n eA u s s a g e b e rd i e
WirkweisederDMTfürspezifischePopula-
tionen zu. Eine Weiterführung dieser Stu-
die, die diese und weitere Limitationen
adressieren kann, ist auf dem Weg. Wei-
terhinbezogsichdieErhebungaufDMTim
Gruppensetting,sodassdieErgebnissenur
bedingtaufdieDMT-Einzelarbeit übertra-
gen werden können. Inwiefern einzelne
WF auch in der therapeutischen Dyade
wirksam sind, bedarf weiterer Forschung.
Fazit für die Praxis
4 Tanz- und Bewegungstherapie (DMT) leis-
tet einen bedeutsamen Beitrag zur Be-
handlung von Patient*innen im klinischen
Kontext und hat in ihrer Anwendung als
integrativ-medizinisches Verfahren einen
besonderen Stellenwert im Behandlungs-
spektrum.
4 Zukünftig ist Embodiment innerhalb des
Wirkmechanismus der DMT, der künst-
lerischen Therapien und als allgemeiner
Wirkfaktor von Psychotherapie weiterzu-
erforschen.
Korrespondenzadresse
Sophia M. Estel
FachbereichPsychologie,Arbeitsgruppe
KlinischePsychologie,Philipps-Universität
Marburg
Gutenbergstr18,35037Marburg,Deutschland
sophia.estel@mailbox.org
Funding. OpenAccessfundingenabledandorga-
nizedbyProjektDEAL.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt. S.M.EstelundS.C.Kochgeben
an,dasskeinInteressenkonfliktbesteht.
AllebeschriebenenUntersuchungenamMenschen
oderanmenschlichemGewebewurdenmitZustim-
mungderzuständigenEthikkommission,imEinklang
mitnationalemRechtsowiegemäßderDeklaration
vonHelsinkivon1975(inderaktuellen,überarbeiteten
Fassung)durchgeführt.VonallenbeteiligtenPatient/-
innenliegteineEinverständniserklärungvor.
Open Access.DieserArtikelwirdunterderCreative
CommonsNamensnennung4.0InternationalLizenz
veröffentlicht,welchedieNutzung,Vervielfältigung,
Bearbeitung,VerbreitungundWiedergabeinjegli-
chemMediumundFormaterlaubt,sofernSieden/die
ursprünglichenAutor(en)unddieQuelleordnungsge-
mäßnennen,einenLinkzurCreativeCommonsLizenz
beifügenundangeben,obÄnderungenvorgenom-
menwurden.
DieindiesemArtikelenthaltenenBilderundsonstiges
Drittmaterialunterliegenebenfallsdergenannten
CreativeCommonsLizenz,sofernsichausderAbbil-
dungslegendenichtsanderesergibt.Soferndasbe-
treffendeMaterialnichtunterdergenanntenCreative
CommonsLizenzstehtunddiebetreffendeHandlung
nichtnachgesetzlichenVorschriftenerlaubtist,istfür
dieobenaufgeführtenWeiterverwendungendesMa-
terialsdieEinwilligungdesjeweiligenRechteinhabers
einzuholen.
WeitereDetailszurLizenzentnehmenSiebitteder
Lizenzinformationauf http://creativecommons.org/
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Abstract
Therapeutic factors of dance movement therapy in the clinical context.
A participatory multicenter study
Inamulticenter efficacystudy82psychiatric andpsychosomaticpatients answered
questionsaboutthemechanism ofactionofdancemovementtherapy (DMT).Itwas
hypothesized thatthere is(1)apositive effect ofDMTonstress(measuredwith the
visualanalogscale,VAS),self-efficacyexpectations(measuredwith thegeneral self-
efficacyshortscale,ASKU;Beierlein etal. 2012)and well-being (measuredwith the
Heidelbergstateinventory,HSI;Kochetal. 2016)and(2)changesinthethreeoutcomes
forthe treatment time couldbe predicted by general psychotherapy, creative arts
therapies, and specific factors ofDMT.The self-constructedquestionnaire DMT-SF
scaleto assess specificfactors ofDMTwas psychometrically explored.The results
showedasignificant improvementinalloutcomeswithlargeeffect sizes( p<0.0001;
η
p2=0.49).The changes in stress and well-being couldbe statistically significantly
predictedbythegeneralpsychotherapeutic efficacyfactors.FortheDMT-SFscalethe
studyfoundsatisfactorycriteriaaswellasathree-factorialsolutionwiththedimensions
ofembodiment,concreteness,and beingmirrored (with thevariance resolutionof
61.28%).Theadditionalqualitative analysisofthetextualstatements ofthe patients
aboutthemechanismofactionofDMTbundledavarietyoftherapeuticfactorsintosix
globalthemes inathematic network.TheDMTwasnamedbyhalfofthepatientsas
themosthelpfultherapyinthetreatment spectrum.ItbecameclearthatDMTmakes
asignificant contributionasanintegrative medicalprocedureintheclinicalcontext.
Furthermore,theresultsoftheDMT-SFscalesuggestedthat embodiment(herewith
anemphasisoninteroception,i.e.,theabilitytoperceiveonesownbodilysignals)as
animportantgeneralfactorofDMTwithrespecttopsychotherapy ingeneral, should
begivenmoreweightandfurtherinvestigated infuturestudies.
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Fachnachrichten
So nutzen Studierende KI-Tools
KI-basierteTools wie Chat GPT sindunter
Studierendenbereitsweit verbreitet.Zwei
Drittel haben sie schon für ihr Studium
genutzt oder nutzen sie aktuell,wie eine
deutschlandweiteUmfragevonForschenden
aus dem Fachbereich Gesellschaftswis-
senschaften der Hochschule Darmstadt
(h_da) jetztergab.DieHälftederbefragten
StudierendenhatChatGPTschoneinmalfür
dasStudiumverwendet.6.311Studierende
aus 395 Universitäten und Hochschulen
hatten sich an der bundesweitenStudie
beteiligt.
Chat GPT & Co. verändern derzeit die
Bildungslandschaft. Vielerorts wird über
die Konsequenzen für künftige Lehr- und
Prüfungsformen diskutiert. Um hier eine
empirischeGrundlage zu schaffen,hat ein
TeamumProf.Dr.JörgvonGarrel,Professor
fürProzess-undProduktionsinnovationmit
SchwerpunktquantitativeSozialforschung,
Studierende anonym befragt, wie sie KI-
Tools im Studium nutzen und für welche
Zwecke. 63,2%derStudierendengabenan,
dass sie KI-basierteTools für das Studium
bereitseinmalgenutzthabenoder aktuell
nutzen. Jeder vierte Studierende sogar
schon häufig oder sehr häufig (25.2%).
Besonders oft genannt wurde Chat GPT:
48,9% der Befragten haben das Tool
bereitsverwendet.12,3%arbeitenmitder
deutschenÜbersetzungs-AnwendungDeepl.
Im Rahmen ihres Studiums nutzen
Studierende KI-basierte Tools häufig zur
KlärungvonVerständnisfragenundumsich
fachspezifischeKontexteerläuternzulassen
(35.6% aller Befragten), für Recherchen
und das Literaturstudium(28.6%) sowie
für Übersetzungen(26,6%) und um Texte
zu analysieren, zu verarbeiten und zu
erstellen(24.8%).Unterschiedezeigensich
nach Studienbereichen:Studierende der
Ingenieurwissenschaftenund Informatik
sowie aus dem Bereich Mathematikund
NaturwissenschaftennutzenKIs weiterhin
insbesondere für Programmierungen oder
Simulationen. Studierende der Geistes-
sowie Wirtschafts-, Rechts- und Sozial-
wissenschaftengaben an, sich Texte und
Analysenerstellenzulassenoderdie Tools
fürdieRechercheunddasLiteraturstudium
zu verwenden. Im Kunststudium ist die KI
häufig Ideengeberin,hilft bei Design und
Konzeptentwicklung.
Uns war klar, dass das Thema aktuell
und relevant ist, aber mit einem solch
enormen Feedback haben wir nicht
gerechnet“,sagtStudienleiterProf. Dr. Jörg
vonGarrel.„DieStudieistnichtnureineder
erstenmitsolchhohemFeedback,siezeigt
auch, wie aktuell und brisant das Thema
ist:KI-basierteTools sindinder deutschen
Hochschullandschaftangekommenundsie
werdenintensivvonStudierendengenutzt.“
Fast 80% von ihnen benennen den
Grad der Wissenschaftlichkeitals wichtige
präferierte EigenschafteinesKI-basierten
Tools. Doch gerade hier schränkt Prof. Dr.
Jörg von Garrel ein. Die Anwendungen
sind intelligent, aber durch statistische
Methoden und trainierteDatenbegrenzt.
Unseren wissenschaftlichenAnsprüchen
genügt Chat GPT nicht“, sagt der Gesell-
schaftswissenschaftler. Von Garrel hat
die KI selbst ausprobiert. Der Text war
gut, aber die Quellenangabenzu meinen
wissenschaftlichenArbeitenwaren falsch
oderexistiertennicht.“Fachleutesprechen
von Halluzinationen,wenn die KI einfach
Antworten erfindet, weil sie nicht auf
entsprechendeDatentrainiertwurde.
Für eine gute Lehre müsse daher
künftiggelten:KI-Tools sindeinWerkzeug,
aber kein Ersatz für wissenschaftliches
Arbeitenoder gründliche Recherche.“Prof.
Dr. Jörg von Garrel mahnt zur kritischen
Reflektion: Richtig mit Chat GPT & Co.
umzugehen, muss Inhalt unserer Lehre
werden“.
Publikation: Joerg von Garrel, Jana Mayer,
Markus Mühlfeld (2023): Künstliche In-
telligenz im Studium - Eine quantitative
Befragung von Studierenden zur Nut-
zung von ChatGPT & Co. Online unter:
https://doi.org/10.48444/h_docs-pub-395
Quelle: Hochschule Darmstadt
(http://www.h-da.de [29.06.2023])
288 DiePsychotherapie4·2023