maturaarbeit/artikel/converted/ChoreografiealsKulturteknik.md
2026-02-23 16:39:54 +01:00

55 KiB
Raw Blame History

title, converted, source
title converted source
Huschka-Siegmund_Choreographie-als-Kulturtechnik-Sonderdruck.indd 2026-02-23 16:05:02 ChoreografiealsKulturteknik.pdf

Huschka-Siegmund_Choreographie-als-Kulturtechnik-Sonderdruck.indd

Page 1

Neofelis Sabine Huschka / Gerald Siegmund (Hrsg.) Choreographie als Kulturtechnik Neue Perspektiven Sonderdruck

Page 2

Inhalt 7 Sabine Huschka / Gerald Siegmund Einleitende Perspektivierungen Choreographie und Kulturtechnik Theoretische Annäherungen 23 Hartmut Böhme Choreographie als Kulturtechnik Ein neuer Ansatz in der Kulturtechnik-Forschung? 49 Gerald Siegmund Überlegungen zu einem Verständnis von Choreographie als Kulturtechnik 67 Sabine Huschka Erweiterte Choreographie
Praktiken, Diskurse und deren kulturtechnische Dimension Gesellschaft und Politik 99 Jörn Ahrens Nicht nur die Menschen am Sonntag Ästhetische Formationen von Gesellschaft 115 Gerko Egert Macht bewegt sich, Macht bewegt 139 Susanne Foellmer Choreographie im Modus relationaler Handlungsmacht New Materialism, komplexe Systeme und die Frage nach Agency

Page 3

Szenographie und Museumschoreographie 167 Birgit Wiens Interdependenzen zwischen Choreographie
und Szenographie in der Gegenwartskunst 189 Katja Schneider Archivieren, Choreographieren, Kuratieren: Perspektiven auf
eine kulturtechnische Praxis. Akte der Produktion, Artikulation
und Organisation von Erinnerungen, Erfahrungen und Wissensbeständen 207 Lisa Beißwanger Museums-Choreographie: Mehr als eine Metapher? Eine kunsthistorische Perspektive auf Choreographie als Kulturtechnik Aufführungen und Praktiken 235 Bojana Kunst On the Threads and Knots of Practice Choreography and Weaving 253 Christina Thurner Choreo-Graphie als Auto-Bio-Graphie Kulturtechniken, die Leben schreiben 269 Kirsten Maar Zwischen Netzwerk, Kollektivität und Intervention Praxeologien choreographischer Arbeit und Formate 291 Sebastian Matthias Choreographien der Angleichung Digitale Kulturtechniken auf TikTok 312 Autor*innen 317 Abbildungsverzeichnis

Page 4

253
Christina Thurner Choreo-Graphie als Auto-Bio-Graphie Kulturtechniken, die Leben schreiben * „In her evening-length solo Hunter“, heißt es auf der Homepage der belgischen Compagnie Damaged Goods, choreographer Meg Stuart explores her own body as an archive populated with per - sonal and cultural memories […]. Discovering traces in the land of small things that linger around her body, Stuart translates them into a series of self-portraits.1 Ein Stück als körperliches Archiv, belebt von persönlichen und kulturellen Erinnerungen. Und Choreographie als Spurensuche, als Übertragung und Transformation in einer Reihe von Selbst-Porträts: Was hier zur künstlerisch- performativen Praxis einer Verkörperung von Wissensbeständen erklärt wird, kann als eine Engführung von Choreo-Graphie und Auto-Bio-Graphie betrachtet werden. Diese Engführung von zwei Kulturtechniken möchte ich in meinem Beitrag diskutieren.

  • Einige Passagen dieses Beitrags basieren auf meinem Text: Dancing Life Stories. Em bodied Auto-bio-narratives. In: Laura Gianvittorio-Ungar / Karin Schlapbach (Hrsg.): Choreo­ narratives. Dancing Stories in Greek and Roman Antiquity and Beyond. Leiden: Brill 2021, S. 214233. https://doi.org/10.1163/9789004462632_010 (Zugriff am 07 .09.2021). 1 Hunter. In: Meg Stuart / Damaged Goods , o. D. http:/ /www.damagedgoods.be/hunter (Zugriff am 29.11.2017).

Page 5

254
Sowohl Choreo-Graphie als auch Auto-Bio-Graphie entstammen etymologisch zunächst einem schriftzentrierten Verständnis von Kulturtechniken;2 ich werde allerdings zeigen, dass sie sich gerade in ihrer Verbindung als raum- zeitliche Praktiken als „Ordnungs- und Repräsentationssysteme“3 fassen lassen, die für dezidiert gegenwärtige Lebenskonstellationen Reflexions- und vielleicht sogar Bewältigungspotentiale bieten. Selbst-Darstellungen bestimmen nicht nur den heutigen medialen Alltag, viel- mehr häufen sich wie Annemarie Matzke gezeigt hat auch im zeitgenössi - schen Theater „Formen der Selbst-Inszenierung“.4 Analog zum „rasante[n] Auf- schwung“5 der Autobiographie im Gebiet der Literatur(-forschung) stellt auch die Kulturwissenschaftlerin Norma Köhler einen „Biographie-Boom“ in den darstellenden Künsten fest und führt über deren Funktion aus: Von der Vielfalt der lebensgeschichtlich orientierten Medien sowie deren mannig - faltigen Darstellungsformen und Inszenierungsstrategien erwartet der Rezipient […] nachvollziehen zu können, wie ein Mensch die Aufgabe bewältigt, sein Leben künst - lerisch darzustellen. 6 Auf diese lebensgeschichtlichen Darstellungsweisen bzw. spezifisch auf auto - biographische Choreo-Graphien im Zeitgenössischen Tanz möchte ich im Fol- genden eingehen und zeigen, wie sich die Reflexion des (eigenen) Lebens über 2 Beiden Begriffen wohnt das griechische Wort gráphein (schreiben) inne. Während in Choreo- Graphie choreia (Tanz) steckt, bezeichnet Auto-Bio-Graphie eine Beschreibung ( gra­ phia) des Lebens (bios) einesr Einzelnen durch diesen selbst ( auto). Aus der Kompositum- Struktur ergibt sich auch die Schreibweise, die im vorliegenden Beitrag zur Hervorhebung derselben verwendet wird. 3 Bernhard Siegert: Was sind Kulturtechniken? Beschreibung eines Lehr- und Fachgebietes. In: Archiv für Mediengeschichte , o. D. https://web.archive.org/web/20071004041748/http:// www.uni-weimar.de/medien/kulturtechniken/kultek.html (Zugriff am 21.01.2020). 4 Annemarie Matzke: Testen, Spielen, Tricksen, Scheitern. Selbst ­ Inszenierung im zeitgenössi ­ schen Theater. Hildesheim: Olms 2005. 5 Vgl. Michaela Holdenried: Autobiographie. Stuttgart: Reclam 2000, S. 37 . 6 Norma Köhler: Biografische Theaterarbeit zwischen kollektiver und individueller Darstel ­ lung. Ein theaterpädagogisches Modell. München: Kopaed 2009, S. 11. Gemäß dieser Beschrei- bung müsste Köhler eigentlich von einem Autobiographie-Boom sprechen, wobei Biogra- phie (Beschreibung eines Lebens) und Autobiographie (Beschreibung des eigenen Lebens) auch in der Forschung nicht immer genau unterschieden werden. In diesem Beitrag ist mit Autobiographie die spezifischere Form von Biographie gemeint.

Page 6

255
den Körper zur Kunst des Choreographischen verhält bzw. umgekehrt, wie die Kunst des Choreographischen zum (eigenen) verkörperten Leben in Relation gesetzt wird. Dazu werde ich „die kulturelle Tragweite der Kunst des Choreo- graphischen diskutieren und deren Optionen als Kultur technik reflektieren“.7 Meine spezifisch perspektivierte These dazu lautet: Als Ausdruck von und als Reflexion unserer virulent selbst-reflexiven media len Zeit verhandelt Choreo- Graphie körperlich-kulturelles Wissen in Bezug auf performative Selbstorgani- sation und Selbstkonstitution, verstanden als Auto-Bio-Graphie. Anhand von zwei exemplarischen choreographischen Arbeiten soll diese These erörtert werden. Die Beispiele sind das bereits erwähnte Stück Hunter 8 von Meg Stuart aus dem Jahr 2014 und Wayne McGregors Autobiography 9 v o n 2 017.
In beiden Stücken wird auf je unterschiedliche Weise der autobiographische Pakt, also der Konsensus, dass da eigenes Leben geschrieben wird, entschieden choreographisch, d. h. bewegt verkörpert transformiert und reflektiert. Meg Stuarts Hunter (2014) 10 „How can I digest the many influences and traces that shaped me as a person and artist?“, rätselt die Choreographin und Tänzerin Meg Stuart im Presse dossier zu ihrem Stück Hunter, das ebenda als autobiographisch bezeichnet wird, und fragt weiter: „How can my body unfold quantum genealogies and unrealized histories?“11 Stuart weist hier auf die Koppelung von Geschichte (history) und 7 Ankündigungstext zur Konferenz „Choreographie als Kulturtechnik“. In: Tanz­ Wissen , o. D. https://www.tanz-wissen.de/forschung/dfg-projekt-transgressionen/veranstaltungen/ konferenz-2020 (Zugriff am 20.01.2020). 8 Meg Stuart / Damaged Goods: Hunter (UA: 26.03.2014, Theater Hebbel am Ufer, Berlin). Ich habe das Stück am 28.06.2014 anlässlich der Biennale in Venedig live gesehen und bekam freundlicherweise von Stuarts Kompanie Damaged Goods eine filmische Aufzeichnung zur Verfügung gestellt, die anlässlich einer Aufführung vom 19. Februar 2016 in Gent von Moun - tain View produziert wurde. Vimeo , o. D. https://vimeo.com/195619114 (passwortgeschützt, Zugriff am 21.11.2018). 9 Wayne McGregor: Autobiography (UA: 04.10.2017 , Sadlers Wells, London). 10 Das Stück habe ich im Herbstsemester 2017 in einem Seminar zu „Autobiografien im Tanz“ am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern behandelt. Den Studieren - den danke ich an dieser Stelle für ihre Inputs und die Diskussionen, deren Ergebnisse in die folgenden Ausführungen eingeflossen sind. 11 Meg Stuart / Damaged Goods: Presskit Hunter. Unveröffentlichtes Pressedossier, Brüssel, 2014, S. 2.

Page 7

256
Geschichten (stories) hin, die an sich schon eine eigentlich unbewältigbare Viel- falt an Möglichkeiten, an denkbaren Verläufen und auch an Schreibweisen birgt. Sie sei in ihrem Umfeld und mit ihrem Körper auf die Suche, ja gar auf die Jagd (hunt) gegangen nach dem, was sie geprägt habe, erklärt Stuart in einem Interview 12 und stößt eine Reflexion darüber an, wie das eigene Leben über - haupt (körperlich) verarbeitet, geschrieben und choreographisch performt wer- den kann. Das Stück ist das erste abendfüllende Solo von Meg Stuart,13 die zum Zeitpunkt der Uraufführung 49 Jahre alt war.14 Stuart selbst sagt dazu: This time I really started choreographing on my own body again, making movement studies, curious of how my age [ laughs], my experience, and all the work that Ive been producing and the material that Ive been exploring, have influenced me and my movements. So in the preparation I went through my personal archive: the work, but also the family history archive, Super 8 tapes, photos […].15 Alles, was sie offenbar sowohl im Fundus ihrer gegenständlichen Besitztümer (Erinnerungsmaterialien) als auch in jenem ihres Körpers (erlernte Bewegun- gen, eingeschriebene Haltungen, inkorporierte Praktiken, erinnerte Choreo - graphien usw.) finden konnte, wird potentiell zum Zeugnis ihrer Vergangenheit, ihrer eigenen Geschichte. 12 „Back in time, you hunt for clues to who you are, for patterns in the choices you have made, for the things that got you where you are now.“ (Stuart im Interview mit Michael Bel - lon: Hunter. Meg Stuarts Quantum Shamanism. Agenda, 10.10.2014. In: Stuart / Damaged Goods: Presskit Hunter, S. 21.) Vgl. zum Bild der Jagd und damit zum Titel des Stücks auch Sandra Luzina: Der Riss in meinem Körper. Hebbel am Ufer. Die Tänzerin und Choreogra - fin Meg Stuart zeigt ihr erstes abendfüllendes Solo „Hunter“. In: Der Tagesspiegel, 28.03.2014. https:/ /www.tagesspiegel.de/kultur/tanz-der-riss-in-meinem-koerper/9679118.html (Zugriff am 07 .09.2021): „In Hunter zeigt sie nun: Sie ist eine Jägerin, nicht nur eine Sammlerin. Sie spießt die Fundstücke auf, gräbt sich in tiefe Erinnerungsschichten.“ 13 Vgl. dazu auch Stuart im Interview mit Bellon, S. 21: „The solos I did make since Disfigure Study [1991] were all kind of side projects between group pieces.“ 14 Vgl. dazu auch die Aussage der Autobiographieforscherin Michaela Holdenried: Autobio ­ graphie, S. 30: Die „klassischen Werke [der Autobiographik] sind Alterswerke“. Dazu wäre weiter zu diskutieren, welche Rolle das Alter überhaupt im Tanz (etwa im Unterschied zu anderen Künsten) sowie als Motivation Stuarts für dieses Stück spielt. 15 Stuart im Interview mit Bellon, S. 21.

Page 8

257
Das Stück beginnt mit einer Art Bricolage-Szene. Stuart bzw. die Persona auf der Bühne bastelt an ihrem Leben: Sie schneidet, klebt, bemalt und über - schreibt Photographien und andere Fundgegenstände (meist bis zur Unkennt- lichkeit). Sie sitzt dazu an einem Tisch. Was sie fabriziert, ist für die Zuschau- enden auch auf einer Projektion sichtbar, indem das T un der Akteurin gefilmt und an die Bühnenrückwand projiziert wird. Immer wieder wird auf das Gebastelte gezoomt. Dieser Prolog macht gleich von Anfang an auf die Konstruiertheit und Prozess- haftigkeit des Gezeigten aufmerksam. Das Publikum bekommt einen Einblick in die Lebensgeschichte einer Figur, die sich rückblickend selbst zusammen - setzt bzw. -bastelt.16 Stuart stellt hier heraus, was Marvin Carlson bereits in den 1990er Jahren im Hinblick auf die Performancekünste festgestellt hat: [A]utobiographical performance has become much more self-reflexive, much more aware of its own constructedness, and much more willing to make this awareness itself part of the presentation.17 Seit den 1990er Jahren haben sich vor allem im Kontext der Social Media die Praktiken, Modi und Funktionen der Selbst-Präsentation nochmals wesent- lich verändert. Die Realität, die sich in der physischen Anwesenheit der Akteu- rin und ihrer mitgebrachten Erinnerungsgegenstände aus dem eigenen Leben manifestiert,18 und die Gemachtheit des Dargelegten sowie die Projektionen (im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn) verbinden sich in Stuarts Perfor- mance. Der kreisende Plattenteller ist dabei sowohl eine Reminiszenz an soge- nannte alte Zeiten, gleichzeitig aber auch sinnbildlich für ein dezidiert heu- tiges Geschichts- und Biographieverständnis, das nicht auf Linearität beruht, sondern eine zirkuläre Anordnung darstellt und in Bewegung, also im Prozess, dreh- und revidierbar bleibt. 16 Diese Szene ist vergleichbar mit Prologen oder Vorworten geschriebener Autobiographien, in denen derdie Autorin etwas darüber aussagt, wie ersie vorgegangen ist, wie ersie sich zum Genre Autobiographie verhält usw. 17 Marvin Carlson: Performing the Self. In: Modern Drama 39 (1996), S. 599608, hier S. 604. http://dx.doi.org/10.3138/md.39.4.599 (Zugriff am 07 .09.2021). 18 Vgl. dazu auch Hans-Maarten Post: Beautiful Cutting Up and Reassembling the Past. Hunter by Meg Stuart / Damaged Goods. In: Utopia Parkway, 13.10.2014. https://utopiaparkway.
wordpress.com/2014/10/13/beautifully-cutting-up-and-reassembling-the-past-hunter-
by-meg-stuartdamaged-goods/ (Zugriff am 22.11.2018): „All of it is real, I was told afterwards. The photos, the video footage, the voices (her brother): it all really is from her past.“

Page 9

258
Nach rund einer halben Stunde schleppt Stuart dann auch ganz handfeste Pro- jektionsflächen in Form von Plexiglasplatten mit sich auf die Bühne. Durch Überblendungen, unterschiedliche Lichtgebungen, farbliche Hintergründe und andere Projektionstechniken lassen diese die Protagonistin, ihren Körper, ihre Gestalt und ihre Schatten verschiedenartig mal diffus mal klar konturiert erscheinen.19 Alles wird dabei mit Allem überblendet; Materielles, Konkretes mit Projiziertem, Übertragenem. Die physisch anwesende Akteurin spielt hier quasi vor Zeugen mit Gegensätzen, die so würde ich behaupten die ver - körperte Auto-Bio-Graphie ebenso wie überhaupt viele Geschichten unserer Gegenwart ausmachen: mit Sein und Schein, mit Fakten und Fiktionen, mit Authentizität und Virtualität. All dies kristallisiert sich in einem performenden 19 Vgl. Stuart: Hunter, 00:31:0000:33:35 min. Abb. 1 Meg Stuart / Damaged Goods:
Hunter, 2014.

Page 10

259
Menschen, der gleichzeitig (physisch anwesender) Autor und Akteur seiner Geschichte und seines Lebens ist und sich als solcher präsentiert. Gemäß der literaturwissenschaftlichen Autobiographieforschung, die auf Phi- lippe Lejeune rekurriert,20 besteht der autobiographische Pakt darin, „dass der Autor oder die Autorin in einer Erklärung versichert, das Werk sei autobiogra- phisch, und der Leser, die Leserin dies akzeptiert“.21 Lässt sich nun, könnte man fragen, ein solcher Pakt auch in Bezug auf das Bühnenstück Hunter erkennen? Eine entsprechende Erklärung findet sich auf der Homepage von Meg Stuart / Damaged Goods (siehe Zitat zu Beginn dieses Beitrags). Sie zielt auf eine spezifische Anwendung der Kulturtechnik das-eigene- Leben- zu-schreiben. Einerseits wird den Rezipient*innen des Stücks ein autobiogra- phischer Pakt angeboten und zwar insofern, als diese sich darüber versichern können, dass es um persönliche Erinnerungen, um Stuarts eigenen Körper, mit dem sie auf der Bühne steht, und damit um sie selbst geht. Andererseits weist die zitierte Aussage aber auch darauf hin, dass das Stück eine allzu reibungs - lose Verschmelzung von autobiographischer Erzählinstanz und einem kohären- ten Ich offenbar unterläuft. Neben die persönlichen Erinnerungen treten die kulturellen, der Körper ist nicht die Person, sondern birgt erklärtermaßen ein Archiv von Episoden und Kräften, aus denen sich wiederum nicht ein Selbst, sondern eine Reihe von Selbstporträts ergibt. Stuart verbindet in Hunter medial, stilistisch, dramaturgisch und choreographisch ganz unterschiedliche Szenen wie etwa ihren Monolog der auf der Bühne eigentlich niemals sprechen wollen- den Tochter eines Laientheaterleiters in bunter Selbst-Kostümierung und non- verbal getanzten Szenen, in denen sie über ihre charakteristische Bewegungs - sprache auf ihr bisheriges Bühnenwerk anspielt, körperliche Grenzen auslotet und bis zur (scheinbaren) physischen Destruktion treibt. Die verkörperte Auto-Bio-Graphie wird hier also explizit als eine offene, multiple präsentiert, die eine in der literaturwissenschaftlichen Auto - biographie(-forschung) lange geltende heute auch da kritisierte Logik der „Identität von Autor, Erzähler und Protagonist“22 sowie der Faktizität des 20 Vgl. Philippe Lejeune: Le pacte autobiographique . Paris: Seuil 1975. 21 Holdenried: Autobiographie , S. 27 . 22 Vgl. Martina Wagner-Egelhaaf: Autobiographie. 2. aktual. u. erw. Aufl. Stuttgart: Metzler 2005, S. 10. Sie macht darüber hinaus deutlich, dass auch in der neueren literarischen Auto - biographie(-forschung) diese Identität angezweifelt wird und Anteile an Fiktion durchaus akzeptiert, wenn nicht sogar gefordert werden.

Page 11

260
Dargebotenen infrage stellt. Als Künstlerin geht Stuart über ihr bzw. über (irgend) ein eigenes Ich hinaus und thematisiert überhaupt die Ich- Konstitution als vielfältigen performativen, hier: choreographierten Akt. Als Tanz-Künstlerin spielt Stuart insbesondere damit, dass die performative Hervorbringung eines Ichs gerade durch einen real präsenten Körper eine wie sie sagt eigene Kom- plexität,23 aber auch ein spezifisches Potential birgt. Fiktives und Faktisches, Imaginiertes und Materielles / Materialisiertes erweisen sich im physisch per- formativen Prozess als sich potenzierende, zusammengehörige Größen. Sie lösen sich insofern als Gegensätze im und durch den präsentierten, anwesenden Kör- per auf, als dieser eine dynamisierte, eine bewegte auto-bio- graphische Reflexion performt, also gleichzeitig ist, darbietet und hervorbringt. Auch das Publikum, dem diese Auto-Bio-Graphie als Choreo-Graphie, also körperlich-räumliche Anordnungsoption, entgegengebracht wird, hat eine kon- stitutive Leistung zu erbringen. Es entscheidet durch seine jeweilige rezeptive Haltung, ob der Pakt gelingt, d. h. ob es Stuarts Performance als autobiogra - phisch akzeptiert und reflektiert. Auf dieses Verhältnis weist allgemein Gabri- ele Brandstetter in ihrem Aufsatz „Autobiography in/as Dance“ hin, wenn sie schreibt: „The viewer (like the reader) has a crucial constitutive function for bringing about the performative contract […].“24 Wenn es also auch auf der Homepage von Damaged Goods zu Hunter weiter heißt, „interior states refract and resonate in a shared world“25, dann sind damit sowohl die Resonanzen zwi- schen verschiedenen Stadien und Zuständen im Leben der Akteurin als auch
die Resonanzen zwischen Stuart und den Zuschauenden gemeint, mit denen sie ihre Welt teilt und umgekehrt. Denn jede*r, so heißt es auch in einer Rezension des Stücks von Hans-Maarten Post in Utopia Parkway, 23 Stuart im Interview mit Bellon, S. 21: „I also explore possible parallel lives and worlds. […] [Interviewer:] So the piece is not a chronological personal diary or overview of your work. Stuart: And it isnt a direct translation either. It has the form of a collage […]. I make all sorts of asso - ciations and juxtapositions; I also use fictional selves and bodies, so the material is all first- hand and has its own complexity“ (Herv. i. Orig.). 24 Gabriele Brandstetter: Autobiography in/as Dance. In: Martina Wagner-Egelhaaf (Hrsg.): Handbook of Autobiography / Autofiction , Bd. 1: Theory and Concepts. Boston / Berlin: de Gruyter 2018, S. 542546, hier S. 542. 25 Hunter. In: Meg Stuart / Damaged Goods, o. D. https:/ /www.damagedgoods.be/hunter (Zugriff am 26.06.2021).

Page 12

261
[has] lived a life, […] collected thoughts, sounds and images along the way. Hunter is the Meg Stuart way of dealing with that, and she does so, not only in a strangely beau - tiful, but also in a very contemporary way, in this world in which everybody is coping with an information overload.26 Das Stück Hunter könnte man zusammenfassend sagen ist demnach eine verkörperte Auto-Bio-Graphie, die gleichzeitig alle Komponenten dieser Bezeichnung auch wiederum infrage stellt: Die Un-/Möglichkeit, ein Leben überhaupt in seiner ganzen Vielfalt be-/schreiben zu können, wird ebenso the- matisiert wie der Zugriff auf das Eigene, das doch immer auch ein Allge - meines oder zumindest ein (Mit-)Geteiltes ist. Damit wird die getanzte Auto- Bio-Graphie als Choreo-Graphie zu einem räumlich-zeitlichen Arrangement von heterogenem Material, worüber sich ein Selbst auf der Bühne performa- tiv herstellt. Kohärenz wird dabei genauso infrage gestellt, wie sie als Begeh - ren an die Zuschauenden delegiert wird, die wiederum aufgefordert sind, über ihre Rezeptionsleistung, über ihre Ein-Bildungs-Kraft so etwas wie eine eigene Kohärenz zu stiften. Wayne McGregors Autobiography (2017) Einen ganz anderen Zugang zu choreographierten Lebensgeschichten wählt der Brite Wayne McGregor. Wäre da nicht der Titel des Stücks, Autobiogra ­ phy, man käme aufgrund der reinen Anschauung wohl nicht darauf, dass es im Stück um Auto-Bio-Graphie geht. Derdie Rezipientin bekommt 80 Minu - ten lang hochästhetisiert getanzte Episoden zu sehen, zu denen jeweils Be tite- lungen projiziert werden, die nummeriert sind.27 Dort ist zu lesen: „1 avatar“28, dann, in weiter nicht chronologischer Reihung, beispielsweise „16 world“29 oder 26 Post: Beautiful Cutting Up; vgl. dazu auch die Resonanz des Rezensenten: „There is no way you can capture everything and remember everything. Hunter reminded me of that feel - ing. It presents someone trying to tell you about everything.“ (Ebd.) 27 Für meine Analyse greife ich auf eine Aufzeichnung vom 07 . Oktober 2017 im Sad - lers Wells zurück, die mir freundlicherweise von der Company zur Verfügung gestellt wurde: Vimeo, 07 .10.2017 . https:/ /vimeo.com/277430565 (passwortgeschützt, Zugriff am 28.11.2018). 28 McGregor: Autobiography, 00:00:2300:00:24 min. 29 Ebd., 00:10:3200:10:36 min.

Page 13

262
„7 traces“30 oder „19 ageing“31, schließlich „23 choosing“32. Die zehn virtuosen, Ballett- und Contemporary-trainierten Tänzer*innen reagieren mit Soli, Duos und Gruppenformationen in unterschiedlichen Bewegungsqualitäten auf die Kompositionen der Elektronikmusikerin Jlin. Im Zusammenspiel von Cho - reographie, Musik, ambitioniertem Lichtdesign33, Projektionen und Bühnen- elementen34 (wie etwa hoch- und herunterfahrende Metallgestelle) werden ganz unterschiedliche Stimmungen erzeugt. Autobiography wäre als ein rein formalästhetisches Stück rezipierbar, trüge es, wie gesagt, nicht diesen Titel, der ihm explizit noch weitere Bedeutungs - ebenen unterlegt. Was nun aber ist an dieser choreographischen Arbeit auto - biographisch? fragt man sich unweigerlich. Man kann den Titel auch wieder 30 McGregor: Autobiography, 00:33:1200:33:28 min. 31 Ebd., 00:45:2400:45:36 min. 32 Ebd., 01:13:1101:13:21 min. 33 Verantwortlich für das Lichtdesign: Lucy Carter. 34 Bühne und Projektion: Ben Cullen Williams. Abb. 2: James Pett in Company Wayne McGregor: Autobiography, Sadlers Wells, 2017 .

Page 14

263
als Angebot eines autobiographischen Pakts begreifen, der wie bereits ausge - führt zunächst einfach dadurch gegeben ist, dass „der Autor oder die Autorin in einer Erklärung versichert, das Werk sei autobiographisch“, wobei die Rezi- pierenden das dann akzeptieren müssten, damit der Pakt funktioniert. 35 Die Erklärung ist im Falle von McGregors Stück durch den Titel und außerdem durch dramaturgische Paratexte vorhanden, worauf noch einzugehen sein wird. Die Frage ist aber zunächst, ob das Stück auch von den Zuschauenden als auto- biographisch akzeptiert wird. Im Unterschied zu Meg Stuarts Hunter scheint Autobiography als Gruppen - stück noch weiter von der Einlösung eines diesbezüglichen rezeptiven Agree - ments entfernt. Denn: Weshalb wird den Zuschauenden überhaupt ein auto- biographischer Pakt angeboten? Und: Wer steht hier für den Begriffsteil auto? Der Choreograph oder die einzelnen Tänzer*innen? Wessen Leben wird hier geschrieben? Von wem genau und wie? Wer sich auf diese Fragen einlässt und damit auf McGregors Bedeutungsspiel eingeht, findet Antworten zunächst in T exten zum Stück. So schreibt etwa die Dramaturgin Uzma Hameed zur Rele- vanz und zum Verständnis von Autobiographie als Genre: Im Zeitalter von Virtual Reality und Social Media ist das Genre der Autobiographie lebendig wie selten, vielleicht nicht klassisch als Buch mit langweiligen Details.36 Autobiography dies suggeriert das Zitat funktioniert offenbar anders als eine gedruckte, verbale Autobiographie. Die Lesenden des dramaturgischen T extes erfahren, dass McGregor sich zwar vom klassischen Autobiographie- Begriff (durchaus wertend) distanziert, ihn als „Auto / Bio / Graphie“ aber dennoch wörtlich nimmt, indem er einerseits angibt, dessen „Bestandteile […] = Selbst,
Leben und Schreiben“ zu untersuchen.37 Andererseits hinterfrage er die „geschich- tete […] und vergängliche Vorstellung von einer Lebensgeschichte“38: 35 Holdenried: Autobiographie , S. 27 . 36 Uzma Hameed: Life (Re-)Writing. In: Company Wayne McGregor. Autobiography. Abendzettel. In: Kampnagel , 2018. http://www.kampnagel.de/media/file/Sommerfestival_
2018/Abendzettel_Wayne_McGregor (Zugriff am 14.09.2018), S. 2. 37 Ebd. 38 Ebd.

Page 15

264
Das Leben, das Wayne McGregor interessiert[,] ist aber die veränderliche Gegenwart, die von Moment zu Moment unwiederholbar zu einer Reihe möglicher Zukünfte wird. „Eine Autobiografie muss nicht […] erinnernd sein“, sagt er. „[…] Dein Leben ist zu jedem Zeitpunkt brüchig, vielschichtig. Es ist die Summe deiner Eindrücke und Erfahrungen, was du liest oder denkst, mit wem du zusammen bist. Es existiert durch die Zeit hindurch und trotzdem wird verlangt, dass man es bequem chronologisch ordnet und es in etwas verwandelt, das narrativ Sinn macht.“39 Einem klassischen narrativen Sinn stellt McGregor mit Autobiography einen verkörperten entgegen, wobei der Verkörperung hier eine brüchige sowie gleich- zeitig komplexe Zeiterfahrung innewohnt und sie als Experiment, als Versuchs- anlage zu verstehen ist. Signifikant ist beim eben Zitierten, insbesondere bei den Passagen von Mc - Gregor, die (chronologische) Zeitordnung, die er anspricht und womit er auf ein klassisches Verständnis von Autobiographie referiert, um dieses gleich wieder zu hinterfragen. Allerdings weist auch die Literaturwissenschaftlerin Micha - ela Holdenried darauf hin, dass das Genre Autobiographie längst nicht mehr (nur) von einer „lebensgeschichtlichen Chronologie“ ausgeht; an deren Stelle träten „[d]issoziierte Chronologie[n] und vitale Zeitordnung[en]“.40 Auf vitale Zeitordnungen fokussiert auch McGregor. Die Autobiographie schreibt sich da zumal es sich um ein Gruppenstück han- delt gewiss nicht linear eindimensional. Sie wird vielmehr in mehrere, vorsätz- lich auseinanderdriftende, aber einander auch immer wieder berührende Hand- lungsstränge aufgesplittet. Zur Konzeption lesen wir von der Dramaturgin: Zum ersten Teil, „Selbst“, hat McGregor mit seinen zehn Tänzer*innen Choreo - grafien entwickelt, die auf alten Notizen, persönlichen Erinnerungen, Kunstwerken und Musik basieren, die in seinem Leben wichtig waren. Einzelne Teile basieren bspw. auf einem Schulfoto, auf einem Gedicht […]. Aus diesen Elementen ist eine Biblio - thek von Bewegungen entstanden: dreiundzwanzig „Bände“ eines Lebens.41 39 Hameed: Life (Re-)Writing, S. 2. 40 Holdenried: Autobiographie , S. 46. 41 Hameed: Life (Re-)Writing, S. 2.

Page 16

265
Dies erfahren wir als Erklärung dafür, wie verschiedene autobiographische Recherchen in das Stück eingeflossen sind. Einerseits erzählen die einzelnen Tänzerinnen demnach tanzend aus McGregors (eigenem) Leben, was dann als im Ensemble verkörperte Auto-Bio-Graphie des Choreografen präsentiert wird. Dieser Umstand, dass in Autobiography nicht eine Person, sondern mehrere auf der Bühne stehen, bildet einen markanten Unterschied zu Stuarts Hunter. Während bei McGregor der Autor und die Mittel der Erzählung, die Tanzen- den, zunächst zwei Instanzen sind, fallen diese in den getanzten Passagen bei Stuart, die als Choreographin und als Tänzerin fungiert, zusammen. Und den- noch verhält sich die Auto-Bio-Graphie beider Stücke ähnlich, wenn man sie so versteht, dass das Leben des Autors, der Autorin in dem von ihm/ihr entworfe- nen Tanz verkörpert wird. Gleichwohl sich die Differenz von performativer Ver- körperung und verkörperter Performance nie ganz auflöst, wird bei McGregor der Körper der Agierenden zum Träger des Lebensentwurfs und damit wie die Journalistin Angela Heide in ihrer Rezension zum Stück schreibt T eil des „Archiv[s]“, aus dem „erinnerbare Lebensgeschichte“ geschöpft wird, obwohl eigentlich „[n]ichts in seiner unendlichen Multidimensionalität erzählbar“ sei, „[s]chon gar nicht das eigene Leben, das Erlebte, Beobachtete, das Übersehene, unkonzentriert oder aus schierer Überforderung nicht Wahrgenommene“. 42 Hierbei deckt sich McGregors Arbeit offenbar mit der bei Stuart festgestellten Reflexion von Un-/Möglichkeiten verkörperter Auto-Bio-Graphie. Andererseits kommt allerdings bei Autobiography neben der Verteilung auf mehrere Akteure noch eine weitere semantische Dimension hinzu. Nicht zufäl- lig verweist der Choreograph auf die Zahl 23, hat er mit seinen Tänzerinnen 23 autobiographische Sequenzen als „Bände“ der jeweiligen „Lebens- Bibliothek“ kreiert.43 Die Zahl 23 verweist auch auf „die Anzahl der Chromosomenpaare, die das menschliche Genom enthält“, das sich McGregor selbst „im Rahmen der Forschungsstudie The Genetics Clinic of the Future“ hat sequenzieren las- sen, um es im Stück Autobiography wiederum „gebrochen und abstrahiert“ als „genetische Geschichte“ mit ihren „genomischen Prinzipien der Replikation, 42 Angela Heide: Company Wayne McGregor: Autobiography. In: Tanzschrift, 14.04.2018. https://www.tanzschrift.at/buehne/nah-besehen/728-company-wayne-mcgregor-autobiography (Zugriff am 29.11.2018). 43 Deren Reihenfolge und Auswahl werden bei jeder Aufführung von einem Algorithmus (für die Software: Nick Rothwell) bestimmt, sodass abgesehen von Anfang und Ende keine Vorführung identisch ist. Vgl. dazu Hameed: Life (Re-)Writing, S. 23.

Page 17

266
Variation und Mutation“ choreographisch zu verarbeiten. 44 Die szientisti - sche Versuchsanlage wird zum choreographischen Verfahren und damit zum Ordnungsprinzip der verkörperten Autobiographie, wobei man den Bewe - gungen, die dadurch generiert und gereiht werden, diese Korrelation nicht unmittelbar ansieht. Die eigene (auto), d. h. hier auf Erinnerungen beruhende, Geschichte wird im Stück in dem Sinne als genetische Lebensgeschichte (bios) bzw. -struktur begriffen, als sie sich an eine naturwissenschaftlich gefasste, bio- logische Struktur der DNA anlehnt, die so wird es zumindest erklärt offen- bar dem Genom des Choreographen entspricht.45 Diese Struktur wiederum wird dann in ein choreographisches Zufallsprinzip übertragen, indem vorgefer- tigte getanzte Szenen ausgewählt und pro Aufführung je neu angeordnet wer- den. Damit ergibt sich die jeweils kontingente, verkörperte Auto-Bio- Graphie. Auch in diesem Stück wird demnach (eigenes) Leben getanzt, wenn auch dezi- diert anders als im autobiographischen Genre üblich und überdies anders als
bei Stuart. Die britische Journalistin Judith Mackrell schreibt zu McGregors eigenwilligem Zugang im Guardian: „It is however entirely typical of him that the piece owes very little to the conventions of personal memoir and that its starting point is the science of genetics.“46 Man kann sich darüber streiten, was ein Zugriff auf dieses naturwissenschaftliche Wissen dem Tanz bringt und wie gelungen Mc Gregors Umsetzung diesbezüglich ist. Mein Argument ist hier aber, dass McGregor die Vorstellung von getanzter Lebensgeschichte tatsächlich erwei - tert, indem er seine ganz eigene, vorsätzlich divergierende Interpretation einer möglichen Erzählung derselben präsentiert. Meg Stuart würde ich im Ver - gleich dazu sagen knüpft mit ihrer verkörperten Auto-Bio-Graphie zwar an 44 Hameed: Life (Re-)Writing, S. 2. 45 „Für jede Vorstellung des Stückes wählt der Computer zufällig einen anderen Code - abschnitt aus dem Genom des Choreografen aus, um festzulegen, welches Material das Publi - kum sehen wird, von welchen Tänzer*innen es getanzt wird und in welcher Reihenfolge. Das System schreibt vor, dass keine einzelne Codefolge mehr als einmal verwendet werden kann, sodass keine zwei Aufführungen gleich sind. Wie die DNA, die durch die vier Proteinbasen A-T-C-G in immer neuen Kombinationen kodiert wird und aus dieser Einfachheit eine ver - blüffende Komplexität erreicht, erfindet sich AUTOBIOGRAPHY endlos neu.“ (Hameed: Life (Re-)Writing, S. 3.) 46 Judith Mackrell: Wayne McGregor: Autobiography Review A Mind-Boggling Mix of Science and Sorcery. In: The Guardian, 05.10.2017 . https://www.theguardian.com/stage/2017/ oct/05/wayne-mcgregor-autobiography-review-sadlers-wells (Zugriff am 29.11.2018).

Page 18

267
autobiographische Konventionen an, reflektiert diese aber durch ihren spezifi- schen, choreographisch-performativen Zugang. Beide Stuart und McGregor mitsamt seinen Tänzerinnen schreiben in ihren Stücken Lebensgeschichten, die allerdings die chronologische, konsistente Präsentation derselben in der Ver- körperung gerade wieder infrage stellen. Im vorliegenden Beitrag wurde exemplarisch davon ausgegangen, dass heutige Choreographinnen sich einerseits auf die Suche machen nach einer Art und Weise, wie die eigene Lebensgeschichte für die Bühne choreographiert werden kann und andererseits gewissermaßen umgekehrt , was eine verkörperte, getanzte oder eben choreographierte Autobiographie wiederum für die Refle- xion von Leben und von Leben schreiben in unserer Kultur bedeuten kann. Während Meg Stuart auf die körperliche Verarbeitung zielt und damit auf die Frage, wie jemand überhaupt die Einflüsse verdauen [„digest“] kann, die ihn geformt haben [„that shaped me as a person and artist?“],47 setzt McGregor strukturell bei vitalen Ordnungssystemen an, um das performative Schreiben des (eigenen) Lebens formal-choreographisch zu verhandeln. Abschließend ist zwar zu konstatieren, dass bei beiden, sowohl bei Stuart wie auch bei McGregor, die verkörperte Auto-Bio-Graphie zunächst eine Behaup- tung ist. Als Angebot an die Zuschauenden kommt der autobiographische Pakt nämlich vorerst verbal-diskursiv daher, d. h. er erscheint im Titel und/ oder in Aussagen zum Stück, die sich über T exte (der Dramaturgin, auf der Homepage, in Rezensionen oder Interviews) vermitteln. Die jeweilige Aus - handlung des autobiographischen Pakts, dessen Hinterfragung und performa- tive Reflexion ist dann allerdings entschieden choreographisch, d. h. verkörpert, zeitlich- räumlich präsent. Damit weisen diese Stücke über die gängigen, vor allem literarisch-textuellen autobiographischen Genres hinaus und erproben neue Möglichkeiten, wie heutzutage Leben geschrieben, rezipiert und reflek - tiert werden kann. 47 Stuart / Damaged Goods: Presskit Hunter, S. 2.

Page 20

312
Autor*innen Jörn Ahrens ist Professor für Kultursoziologie mit Schwerpunkt Transfor - mation von Kulturen am Institut für Soziologie der Justus-Liebig- Universität Gießen & Extraordinary Professor of Social Anthropology, North West Uni- versity, Südafrika. Forschungsschwerpunkte: Gesellschaft, Angst, Gewalt; populäre Medien & Kulturen (Film, Comic); Natur & Kultur; Kultur- und Sozial theorie. Publikationen u. a. Überzeichnete Spektakel. Die Inszenierung von Gewalt im Comic (Nomos 2019); „Die unfassbare Tat.“ Gesellschaft und Amok (Campus 2017); Einbildung und Gewalt. Film als Medium gesellschaft ­ licher Konfliktbearbeitung (Bertz + Fischer 2016); hrsg. m. Paul Fleming / Su sanne Martin / Ulrike Vedder: „Doch ist das Wirkliche auch vergessen, so ist es darum nicht getilgt“. Beiträge zum Werk Sieg fried Kracauers (Springer 2016). Lisa Beißwanger ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Fachgebie - ten Architektur- und Kunstgeschichte wie auch Architekturtheorie und -wissenschaft an der T echnischen Universität Darmstadt. Nach dem Stu - dium der Kunstgeschichte in Freiburg im Breisgau war sie unter anderem an der Schirn Kunsthalle Frankfurt tätig sowie als Mitarbeiterin am Institut für Kunstpädagogik der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ebendort war sie Mit- glied des kulturwissenschaftlichen Graduiertenzentrums GCSC. Ihre in Gie - ßen entstandene Dissertation erschien 2021 unter dem Titel Performance on Display. Zur Geschichte lebendiger Kunst im Museum im Deutschen Kunst - verlag. Aktuell forscht sie zu Campusarchitektur der 1960er Jahre in der Bundes republik Deutschland im Spiegel von Systemtheorie und Kybernetik. Hartmut Böhme , Prof. em. Dr. phil., war v. 1977 1993 Professor für Neu - ere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg, 1990 1992 Fellow am Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen und 1993 2012 Professor für Kultur theorie und Mentalitätsgeschichte an der Humboldt- Universität zu Ber- lin. Zugleich Gastprofessuren in den USA (1996, 1998 u. 2008) sowie in Japan, Italien und Deutschland. Er war u. a. Projektleiter im DFG-Sonderforschungs- bereich „Kulturen des Performativen“, ab 1999 Betreuer im Graduierten kolleg „Codierungen der Gewalt im medialen Wandel“ und ab 2005 Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs „Transformationen der Antike“.

Page 21

313
Gerko Egert , Tanz- und Theaterwissenschaftler an der Justus- Liebig-
Universität Gießen. Er war Vertretungsprofessor an der Freien Universität Ber- lin und der HBK Braunschweig. Er lehrt und forscht zu Philosophien und Poli- tiken der Bewegung, menschlichen und nicht-menschlichen Choreographien, Tanz und Performance seit dem 20. Jh. sowie Vermittlung in den performativen Künsten. Neben seiner Dissertationsschrift Berührungen. Bewegung, Relation und Affekt im zeitgenössischen Tanz (Transcript 2016, engl. Routledge 2020) umfassen seine Publikationen „Choreographing the Weather Weather ing Choreography“ (The Drama Review 2016) sowie den Sammelband Experi ­ mente lernen, T echniken tauschen. Ein spekulatives Handbuch (hrsg. mit Julia Bee, Nocturne 2020). www.gerkoegert.net. Susanne Foellmer ist Professorin in Dance Studies am Centre for Dance Research (C-DaRE), Coventry University, UK. Forschungsschwerpunkte sind zeitgenössischer Tanz und Performance sowie die Weimarer Zeit, mit Fokus auf Körperkonzepte und ästhetische Theorie sowie Tanz im Kontext von Media lität, Politizität und Historizität. Von 2014 2018 Leitung des DFG- Forschungsprojekts „ÜberReste. Strategien des Bleibens in den darstellenden Künsten“. Außerdem Arbeit als Dramaturgin und künstlerische Beraterin, u. a. für Helena Botto, Tanzcompagnie Rubato, Isabelle Schad, Meg Stuart, Jeremy Wade. Aktuelle Publikationen u. a.: Hrsg. m. Maria Katharina Schmidt / Cor- nelia Schmitz: Performing Arts in Transition. Moving Between Media (Rout - ledge 2019); hrsg. m. Margreth Lünenborg / Christoph Raetzsch: Media Practices, Social Movements, and Performativity (Routledge 2018) sowie On Remnants and Vestiges. Negotiating Persistence and Ephemerality in the Per ­ forming Arts (Routledge, im Erscheinen). Sabine Huschka arbeitet und lebt als Tanz- und Theaterwissenschaftlerin
in Berlin und ist z. Zt. Projektleiterin des Bildungsprojekts „InKüLe Innovationen für die Künstlerische Lehre“ an der Universität der Künste Ber- lin, gefördert von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre. Zuvor leitete sie das DFG-Forschungsprojekt „Transgressionen. Energetisierung von Kör - per und Szene“ (2015 2020) am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz der UdK Berlin. Habilitiert an der Universität Leipzig im Fach Theaterwissen - schaft mit einer Studie zur Wissenskultur Tanz. Der choreografierte Körper im Theater hatte sie diverse nationale und internationale Vertretungsprofessuren

Page 22

314
für Performance Studies, Theater- und Tanzwissenschaft inne. Wichtigste Publikatio nen: Choreographierte Körper im theatron. Auftritte und Theorie ästhetischen Wissens (Epodium 2020); hrsg. m. Barbara Gronau: Energy and Forces as Aesthetic Interventions. Politics of Bodily Scenarios (Transcript 2019); Hrsg.: Wissenskultur Tanz. Historische und zeitgenössische Vermittlungsakte zwi­ schen Praktiken und Diskursen (Transcript 2009); Moderner Tanz. Konzepte Stile Utopien (Rowohlt 2002 / 2012). www.tanz-wissen.de. Bojana Kunst ist Philosophin, Tanz- und Performancetheoretikerin und Dra- maturgin. Sie ist Professorin am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universitat in Gießen und Direktorin des Internationalen Masterstudiengangs „Choreographie und Performance“. Sie widmet ihre For- schungsarbeit und ihre Unterrichtstätigkeit vor allem der Philosophie, der Theo rie des Körpers, theoretischen Konzepten der Choreographie und der Dramaturgie. In den letzten Jahren verschrieb sie sich vor allem der Reflexion umfassenderer ästhetischer und politischer Prozesse in der Choreographie und der darstellenden Kunst. http:/ /kunstbody.wordpress.com. Kirsten Maar ist Juniorprofessorin für Tanzwissenschaft an der Freien Uni - versität Berlin. Von 2007 2014 arbeitete sie als Wissenschaftliche Mitarbei - terin am SFB 626 „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“, ebenfalls an der FU Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen choreographische Verfahren im 20. Jahrhundert, Entgrenzungen zwischen Choreographie, Architektur und Kunst sowie Raumkonzeptionen und deren kin ästhetische Erfahrung. Sebastian Matthias arbeitet seit 2010 als freischaffender Choreograph und seit 2019 als Tanz- und Kulturwissenschaftler an der HCU Hamburg. Er stu- dierte Tanz an der Juilliard School in New York und Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Sein Dissertationsprojekt erschien 2018 unter dem Titel Gefühlter Groove Kollektivität zwischen Dancefloor und Bühne (Tran- script 2018). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören partizipative künst- lerische Forschung sowie Bewegung und Musik mit digitalen Medien.

Page 23

315
Katja Schneider ist Professorin für Tanztheorie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Von 2004 bis 2019 lehrte sie am Institut für Theaterwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität Mün- chen, dem sie auch als Wissenschaftliche Mitarbeiterin angehörte. Sie habili - tierte sich 2013 mit der Schrift Tanz und Text. Zu Figurationen von Bewegung und Schrift (Kieser 2016). Als Redakteurin arbeitete sie für die Fach magazine tanzdrama, tanzjournal und tanz (19922012), als Dramaturgin ist sie für das Münchner Festival „Dance“ tätig. Jüngste Publikationen (Auswahl): Wie ste- hen? Ein Vorschlag zur Kombination von Tanz- und Bewegungsanalyse mit Kontextualisierungs- und Referenzialisierungsstrategien. In: Christopher Balme / Berenika Szymanski-Düll (Hrsg.): Methoden der Theaterwissenschaft (Narr Francke Attempto 2020), S. 199220; Hrsg: Das Rauschen unter der Choreographie. Überlegungen zu Stil (Narr Francke Attempto 2019); Hrsg. m. Burcu Dogramaci: „Clear the Air“. Künstlermanifeste seit den 1960er Jahren. Interdisziplinäre Positionen (Transcript 2017). Gerald Siegmund, Studium der Theaterwissenschaft, Anglistik und Romanis- tik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, ist Professor für Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zwischen 2005
u. 2008 war er Assistenzprofessor am Institut für Theaterwissenschaft der Uni- versität Bern, Schweiz. Von 20152018 war er Leiter des DFG-Projekts „Theater als Dispositv“. Er ist Mitglied der dezentralen DFG-Forschungsgruppe 2734
„Krisengefüge der Künste“. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Theater seit den 1960er Jahren, Theatertheorie, Ästhetik, Entwicklungen im zeitgenös- sischen Tanz und im postdramatischen Theater im Übergang zur Performance und zur bildenden Kunst. Zuletzt erschienen: Jérôme Bel. Dance, Theatre, and the Subject (Palgrave MacMillan 2017) und Theater­ und Tanzperformance zur Einführung (Junius 2020).

Page 24

316
Christina Thurner ist Professorin für Tanzwissenschaft am Institut für Theater wissenschaft der Universität Bern. Forschungsschwerpunkte sind Tanz- ästhetiken und -diskurse vom 18. bis 21. Jahrhundert, Tanzhistoriographie und -kritik. Derzeit leitet sie das vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Pro- jekt „Auto_Bio_Grafie als Performance. Ein tanzhistoriografisches Innovations- feld“ (https:/ /www.theaterwissenschaft.unibe.ch/forschung/projekte/
laufende_projekte/auto_bio_grafie_als_performance/index_ger.html). Jün - gere monographische Publikationen: Rhythmen in Bewegung. Äußere, eigene und verkörperte Zeitlichkeit im künstlerischen Tanz (Wehrhahn 2017); Tanz­ kritik. Materialien (1997 2014) (Chronos 2015). Birgit Wiens ist Dozentin (PD) und Senior Researcher am Institut für Theater wissenschaft der LMU München. Zuletzt realisierte sie, gefördert im Heisenberg-Programm der DFG, das Forschungsprojekt „Szenographie: Epis- teme und ästhetische Produktivität in den Künsten der Gegenwart“. Buch - publikationen u. a. Intermediale Szenographie. Raum ­ Ästhetiken des Theaters am Beginn des 21. Jahrhunderts (Fink 2014, Habilitationsschrift); Hrsg.: Con­ temporary Scenography. Practices and Aesthetics in German Theatre, Arts and Design (Bloomsbury 2019).

Page 25

317
Abbildungsverzeichnis Sabine Huschka / Gerald Siegmund: Einleitung Abb. 1: Musik- und T anznotation mit zwei gespiegelten Figurinen aus Kellom T omlinson: The Art of Dancing, 1735. Aus: Kellom T omlinson: The Art of Dancing Explained by Reading and Figures Whereby the Manner of Performing the Steps Is Made Easy by a New and Familiar Method , printed for the author. London 1735, S. 200. Kolo rierte Reproduktion: Selected Plates from The Art of Dancing Explained by Reading and Figures, 1735. Jerome Robbins Dance Division, The New Y ork Pub- lic Library Digital Collections. Bereitgestellt am 02.07.2019. http://digitalcollections. nypl.org/items/918f4f00-f27c-0132-dd55-58d385a7b928. Gerald Siegmund: Überlegungen zu einem V erständnis von Choreographie als Kulturtechnik Abb. 1: William Forsythe: Choreographers Handbook, Installation, Neues Museum W ei- mar, 2013. © Julian Gabriel Richter. Sabine Huschka: Erweiterte Choreographie Abb. 1: Alexandra Pirici: Choreographies of Past Few Months, 2020 (Auszug T afel 1).
© Bildkomposition der im Internet veröffentlichten Photos: Alexandra Pirici. Abb. 2: Alexandra Pirici: Choreographies of Past Few Months, 2020 (Auszug T afel 3).
© Bildkomposition der im Internet veröffentlichten Photos: Alexandra Pirici. Abb. 3: Mette Ingvartsen: The Artificial Nature Project, 2012. © Jan Lietart. Abb. 4: Mette Ingvartsen: The Artificial Nature Project, 2012. © Hans Meijer. Birgit Wiens: Interdependenzen zwischen Choreographie und Szenographie in der Gegenwartskunst Abb. 1: Virgis Poudziunas, Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola und Orlando Rodriguez in Sasha W altz & Guests: Dialoge  Figure Humaine, Elbphilharmonie Hamburg, 2017. © Bernd Uhlig. Abb. 2: Bauhausbühne, Leitung Oskar Schlemmer, Raum- und Bewegungsstudie Equili­ bristik, mit Heinz Loew, W olfgang Hildebrandt, Lou Scheper, W erner Siedhoff, Andor W eininger, 1927. Irene Bayer (zugeschrieben). © Bauhaus-Archiv Berlin. Abb. 3: Szene mit Eliza Douglas und Franziska Aigner in Anne Imhof: Faust, Deutscher Pavillon, 57. Internationale Kunstausstellung  La Biennale di V enezia, 2017. Courtesy Deutscher Pavillon 2017, Anne Imhof. © Nadine Fraczkowski. Abb. 4: Szene mit Stine Omar in Anne Imhof: Faust, Deutscher Pavillon, 57. Internatio- nale Kunstausstellung  La Biennale di V enezia, 2017. Courtesy Deutscher Pavillon 2017, Anne Imhof. © Nadine Fraczkowski.

Page 26

318
Abb. 5: Szene mit Lea W elsch, Billy Bultheel, Emma Daniel, Franziska Aigner und Mickey Mahar in Anne Imhof: Faust, Deutscher Pavillon, 57. Internationale Kunstaus - stellung  La Biennale di V enezia, 2017. Courtesy Deutscher Pavillon 2017, Anne Imhof. © Nadine Fraczkowski. Abb. 6: Szene mit Eliza Douglas in Anne Imhof: Faust, Deutscher Pavillon, 57. Internatio- nale Kunstausstellung  La Biennale di V enezia, 2017. Courtesy Deutscher Pavillon 2017, Anne Imhof. © Nadine Fraczkowski. Katja Schneider: Archivieren, Choreographieren, Kuratieren Abb. 1: Ansicht der Videoinstallation von Hwayeon Nam im Koreanischen Pavillon auf der Biennale di V enezia 2019. © The Korean Pavilion at the 58 th International Art Exhibition of La Biennale di V enezia 2019, Photo: Andreas Meichsner. Abb. 2: Eines der Plakate zur Ausstellung im Koreanischen Pavillon auf der Biennale di V enezia 2019. Im Schriftzug eine historische Photographie der Tänzerin und Choreographin Choi Seung-hee. © The Korean Pavilion at the 58 th International Art Exhibition of La Biennale di V enezia 2019. Abb. 3: Unter ihrem japanischen Namen Sai Shoki trat Choi Seung-hee 1938 in New Y ork auf. Anzeigenausschnitt im Video-Still aus Hwayeon Nams Multi-Channel- Videoinstallation Dancer from the Peninsula. Aus: Hyunjin Kim (Hrsg.): History Has Failed Us, but No Matter. siren eun young jung, Hwayeon Nam, Jane Jin Kaisen. The Korean Pavilion at the 58 th International Art Exhibition of La Biennale di Ve n e z i a. Ausstellungskatalog. Mailand: Mousse 2019, S. 16 (Abb. 6). Abb. 4: Video-Still mit zwei historischen Photographien von Choi Seung-hee, aus Hwayeon Nams Multi-Channel-Videoinstallation Dancer from the Peninsula.
Aus: Kim (Hrsg.): History Has Failed Us, Abbildung im Katalog, o. P. Abb. 5: Kontrastiert sind die historischen Aufnahmen mit Füßen der Tänzerin von heute  die Installation kombiniert historische Dokumente mit Aufnahmen von Blüten, Gliedmaßen, Lichteffekten und zeitgenössischem T anz. Im Katalog zur Ausstel- lung im Koreanischen Pavillon sind Abb. 4 und Abb. 5 auf einer Doppelseite gegenübergestellt. Video-Still aus Hwayeon Nams Multi-Channel-Videoinstallation Dancer from the Peninsula. Aus: Kim (Hrsg.): History Has Failed Us, Abbildung im Katalog, o. P. Lisa Beißwanger: Museumschoreographie: Mehr als eine Metapher? Abb. 1: Merce Cunningham: Event #32. Performance: Merce Cunningham Dance Com- pany, W alker Art Center, Minneapolis, 12.03.1972. Kunstwerk: Mario Merz: Fibonacci Igloo, 1972. © James Klosty. Bojana Kunst: On Threads and Knots of Practice Fig. 1: Ivana Müller and Gaëlle Obiégly: Entre­deux, 2019. FAR° Festival des arts vivants, Nyon (CH). © Arya Dil. Fig. 2: Ivana Müller and Gaëlle Obiégly: Entre­deux, 2019. FAR° Festival des arts vivants, Nyon (CH). © Arya Dil. Fig. 3: Ivana Müller and Gaëlle Obiégly: Entre­deux, 2019. FAR° Festival des arts vivants, Nyon (CH). © Arya Dil.

Page 27

319
Christina Thurner: Choreo-Graphie als Auto-Bio-Graphie Abb. 1: Meg Stuart / Damaged Goods: Hunter, 2014. © Iris Janke. Abb. 2: James Pett in Company W ayne McGregor: Autobiography, Sadlers W ells, 2017.
© Andrej Uspenski. Sebastian Matthias: Choreographien der Angleichung Abb. 1: dyloustyle: Fortnite­ T anz, Screenshot, Tik T ok, 27.04.2018. © https://www.tiktok. com/@dyloustyle/video/6549118062908412928?lang=de-DE&is_copy_
url=1&is_from_webapp=v3. Abb.2: #shuffle. Sebastian Matthias: Handy-Screenshot, 2020. © Sebastian Matthias Abb.3: kevinbannier_: shuffle­duet, Screenshot, Tik T ok, 04.03.2018. © https://www.tik- tok.com/@kevinbannier_/video/6529111437774689295?lang=de-DE&is_
copy_url=1&is_from_webapp=v3. Abb. 4: poncecarlos11: Duett mit sich selbst  Videoüberlagerung als V erdopplungseffekt, Screenshot, Tik T ok, 01.04.2020. © https://www.tiktok.com/@poncecarlos11/ video/6810530619211238662?lang=de-DE&is_copy_url=1&is_from_ webapp=v3.

Page 28

Dieses Buch entstand im Rahmen der Forschungsarbeit im DFG Forschungsprojekt „Transgressionen“, das am HZT (Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz) und der Universität der Künste Berlin beheimatet war. Dabei geht der Band zurück auf die Konferenz „Choreographie als Kulturtechnik“, die in Kooperation mit dem Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus Liebig Universität Gießen dort veranstaltet wurde. Gedruckt wurde es mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Herausgeber*innen danken Eva Holling für ihre umsichtige redaktionelle Mitarbeit am vorliegenden Band. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese
Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2022 Neofelis Verlag GmbH, Berlin www.neofelis-verlag.de
Alle Rechte vorbehalten. Umschlaggestaltung & Zwischenseiten: Eike Dingler Lektorat & Satz: Neofelis Verlag (jn / vf) Druck: Drusala s. r. o., Frýdek-Místek (CZ) Gedruckt auf FSC-zertifiziertem Papier. ISBN (Print): 978-3-95808-343-1 ISBN (PDF): 978-3-95808-394-3 Das HZT Berlin wird getragen von der Universität der Künste Berlin und der Hochschul e für Schauspielkunst Ernst Busch in Kooperation mit dem Netzwerk TanzRaumBerlin.