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title: Sportunterricht
converted: 2026-02-23 16:05:20
source: Sportunterricht.pdf
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# Sportunterricht
## Page 1
LehrhilfenLehrhilfen
Unterrichtsanregungen Unterrichtsanregungen
für die Alltagspraxis Sportfür die Alltagspraxis Sport
aus:
Lehrhilfen für den Sportunterricht,
Schorndorf, 58 (2009), Heft 10
Steinwasenstraße 68 • 73614 Schorndorf
Telefon (0 71 81) 402-0 • F ax (0 71 81) 402-111
www.hofmann-verlag.de
sportunterricht@hofmann-verlag.de
Offizielles Organ des Deutschen Sportlehrerverbandes e.V. (DSLV)
Monatsschrift zur Wissenschaft und Praxis des Sports mit Lehrhilfen
## Page 2
Gestalten, T anzen, Darstellen Gymnastik, T anz
90 aus: Lehrhilfen für den sportunterricht, Schorndorf, 58 (2009), Heft 10
und den Aufgabenkomplexen die
Aspekte
● Gestaltungsprinzip, Gestaltungs-
parameter und Sozialform voran-
gestellt.
Diese Struktur hilft, den gestalte -
rischen Prozess nachzuvollziehen,
der immer an einem bestimmten
Ausgangspunkt ansetzt, der aus
der alltäglichen wie künstlerischen
Wahrnehmungswelt stammt und
dann auf unterschiedlichste Weise
fortgeführt werden kann. Des Wei -
teren wird zwischen Prinzipien und
Parametern unterschieden, die den
gestalterischen Umgang mit Körper
und Bewegung im Tanz ermögli -
chen.
Prinzipien beziehen sich auf das
Anregen von Prozessen der Ausein-
andersetzung und bieten Zugänge
zum Gestalten. Dazu gehören „sich
ähnlich Machen und Nachmachen“,
„Ausgrenzen und Reduzieren“, „Rhy-
thmisieren“, „Kontrastieren und Po-
larisieren“ sowie „Verändern und
Verfremden“ bzw. „Eingrenzen“, „Ent-
decken und Nachvollziehen“, „Kom-
binieren und Komponieren“ sowie
„Reflektieren, Überarbeiten und
Festigen“.
Gestaltungsparameter, also Ele -
mente, mit welchen Aufgabenstel-
lungen geöffnet oder geschlossen
werden können, beziehen sich auf
die Möglichkeiten des Sich-Bewe-
gens im Raum, in der Zeit, im Ein -
satz von Kraft (Dynamik) sowie auf
die technisch-anatomischen Aspekte
der Bewegungsform (Form) und
den formalen Aufbau von Bewe-
gungsmotiven. Die Zielsetzung der
Die Möglichkeit, sich „rund“ oder
„eckig“ zu bewegen, eröffnet Schü -
lerinnen und Schülern (SuS) eine
Fülle von Auseinandersetzungs-
möglichkeiten mit dem eigenen
Körper. Für alle, die Bewegungs-
und Sportunterricht erteilen, bieten
sich interessante und umsetzbare
gestaltungsorientierte Unterrichts-
inhalte an. Aufgezeigt wird, wie
Lehrkräfte das Thema „Körper“
ausgehend von einfachen Bewe -
gungsformen tänzerisch und dar -
stellerisch fokussieren können.
Ausgangspunkte sind „das Aquari -
um“ und „die Fossilien“ der Kompo-
sition des „Karneval der Tiere“ von
Camille Saint-Saens. Beide Musikti -
tel haben einen Bewegungen pro -
vozierenden und unterstützenden
Charakter. Die Unterrichtsreihe
wurde im Schuljahr 2008/2009 in
6-8 Doppelstunden durchgeführt
und entstammt der Projektarbeit mit
zwei 5. Klassen im Rahmen des Pi-
lot-Projektes „Kul-Tour-Klasse“ (ver-
tiefter Einblick in künstlerisch-päd -
agogische Unterrichtsformen) als
fächerübergreifender Unterricht in
Zusammenarbeit mit den Musik-
und Sportlehrerinnen und -lehrern.
Da hier eine entdeckend-gestalte-
rische Auseinandersetzung mit dem
Körper, der Bewegung und Dingen
aus der Umwelt fokussiert wird,
kommen methodisch-didaktische
Verfahrensweisen des künstlerisch-
pädagogischen Ansatzes der Bewe-
gungserziehung zum Einsatz.
Es kann auch zwischen Aufga-
benstellungen auf der motorischen
und darstellerischen Ebene unter -
schieden werden; diese weitere Dif-
ferenzierung bezieht sich neben
der Offenheit auf die Komplexität.
Da der Unterricht eine intensive
Auseinandersetzung mit den indivi-
duellen Bewegungsmöglichkeiten
des Körpers ermöglichen soll, setzt
dieser zuerst auf der Bewegungs-
ebene und nicht auf der Ausdrucks-
ebene an. Für Lehrkräfte bedeutet
das, dass Unterrichtsthemen zuerst
motorisch durchdrungen werden.
Dabei müssen sie keine fertigen
Szenevorschläge oder Choreogra -
phien vorbereiten; sie sind gefor -
dert, sowohl in der Vorbereitung als
auch in der konkreten Unterrichts-
situation geeignete Aufgabenstellun-
gen zu formulieren.
Den Unterrichtsstunden werden
die Aspekte
● Ausgangspunkt und Zielsetzung
Der Körper im Tanz „rund und eckig“
Claudia Behrens
Kennzeichen dieses Ansatzes ist
die didaktische Idee des Fin-
dens, Ausprobierens und Ge -
staltens von Bewegungen bzw.
Bewegungsideen mit der Me -
thode der strukturierten Impro-
visation verstanden als Wech -
selspiel von kreativen und imita-
tiven Vorgehensweisen in Form
von offenen, teiloffenen und
geschlossenen Aufgabenstellun-
gen, die sowohl prozessorien -
tiert als auch produktorientiert
verlaufen können. Entscheidend
ist hierbei, eine teiloffene Auf -
gabenstellung so zu formulie-
ren, dass sie weder zu sehr ein -
engt noch durch zuviel Spiel -
raum verunsichert oder über -
fordert.
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Gestalten, T anzen, Darstellen Gymnastik, T anz
aus: Lehrhilfen für den sportunterricht, Schorndorf, 58 (2009), Heft 10  91
Unterrichtsstunde ist entscheidend
dafür, wie die genannten Faktoren
eingesetzt werden sollen.
Unterrichtsvorhaben zum
Thema „Rund“ (Fische)
1. Doppelstunde: „Körperwellen“
Ausgangspunkt: „Wellenbewegungen“
Ziel: Bewegungsansätze für Wellen-
bewegungen entdecken und aus -
probieren
Die SuS sollen zunächst mit dem
Grundgedanken „Wellenbewegun-
gen“ vertraut gemacht werden. Die-
ser Annäherung soll zeitlich viel
Aufmerksamkeit geschenkt wer -
den, um die bildhaften Ideen der
SuS gemeinsam zu Bewegungs -
ideen umzuwandeln.
Auf die Fragen „Was gibt es auf der
Welt für verschiedene Wellen?“ und
„Was haben alle diese Wellen ge -
meinsam?“ antworteten die SuS z. B.
„Schallwellen, Radiowellen, Surfwel-
le, Dauerwellen, welche fließen und
immer weiter laufen auf kurvigen,
runden Wegen …“. Die beschrie -
benen Ideen und Vorstellungsbilder
gilt es in einem ersten Schritt von
der Lehrkraft zusammen mit den
SuS durch Einschränkungen und
Reduktion zu kanalisieren.
● Körperwellen-Bewegungen
am Ort und in der Fortbewegung
Gestaltungsprinzip: „Entdecken und
Nachvollziehen“
Gestaltungsparameter: Raum (Level,
Raumweg), Form (Bewegungsform)
Sozialform: Partnerarbeit
Die Arbeit mit einem Partner soll
den Einstieg in die Bewegungsfin -
dung erleichtern. Selbstständig wird
festgelegt, wer A und wer B ist. A
beginnt mit der Bewegung und B
soll sich dessen Wellenbewegungen
anpassen. Die Lehrkraft leitet nun
die Explorationsphase an, indem
sie Bewegungsansätze angibt, von
denen die Wellenbewegungen aus -
gehen sollen. Dabei kann mit fol-
genden Aufgabenstellungen gear -
beitet werden, die sich aus den ge -
sammelten Bewegungsmöglichkeiten
(siehe Kasten) ableiten:
1. Probiert aus, die Wellen von den
Fingerspitzen einer Hand anzufüh -
ren!
2. Versucht, die Wellen mit beiden
Händen parallel laufen zu lassen!
3. Lasst auch mal die Hände gegen -
gleich arbeiten!
4. Versucht mal, beide Handflächen
aneinander zu lassen!
Begonnen werden sollte mit klei -
nen Bewegungen am Ort, die dann
immer größer werden. Der Körper
kann dem Bewegungsausmaß fol -
gen bis in den Stand. Bei der ab -
schwellenden Bewegung geht es
dann in die Bodenlage zurück. Der
Freiheitsgrad liegt in der Gestaltung
der Bewegungsführung z. B. der
Hand (Bewegungsamplitude) und
im selbstständigen Wechseln der
Raumlevels (tief, mittel, hoch). Die
Lehrkraft gibt an gegebenen Stellen
an, dass die Bewegungsansätze (sie-
Tab. 1: Reihendarstellung der Unterrichtsvorhaben zu den Bewegungs-
themen „Rund“ und „Eckig“
Stunden Stundenthema Ziel
1. Doppelstunde „Körperwellen“ Bewegungsansätze für
Wellenbewegungen ent-
decken und ausprobieren
2. Doppelstunde „Fische” Eine Fischbewegung ent-
wickeln und festlegen
3. Doppelstunde „Das Aquarium“ Gruppenchoreographie
zur Musik „das Aquarium”
4. Doppelstunde „Versteinert sein“ Gelenkstellungen (beugen,
strecken, drehen, ver-
wringen etc.) entdecken
5. Doppelstunde „Staccato-Bewegungen” Fossilienbewegungen
entwickeln und festlegen
6. Doppelstunde „Die Fossilien“ Gruppenchoreographie
zur Musik „die Fossilien”
Kasten für Bewegungsideen
Bildhafte Ideen wie
Schallwellen, Radiowellen, Surfwelle, Dauerwellen, Wasserwellen
werden zu
Bewegungsideen wie
Bewegungsansätze aus Fingergelenken, Handgelenk (Hand-
wurzel), Handkante, Ellenbogen, Kopf
Von kleinen Bewegungsführungen bis zu großen Bewegungen
(anschwellen-abschwellen)
Ebenen der Bewegungsführung: Saggitalebene, Horizontal-
ebene, Frontalebene
langsam oder schnell, gezogen, fließend, legato
Fortbewegung im Raum geradlinig oder kurvig, am Ort oder
vorwärts, seitwärts
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Gestalten, T anzen, Darstellen Gymnastik, T anz
92 aus: Lehrhilfen für den sportunterricht, Schorndorf, 58 (2009), Heft 10
Altersstufe, z. B. die Filme „Der blaue
Planet“ oder „Findet Nemo“ ange -
schaut werden. Zur Veranschauli-
chung und Inspirationshilfe kann
eine Fischtabelle mit Meerestieren
dienen (Körperform, Flossengröße
und Bewegungsverhalten im Was-
ser).
● Entwickeln und Festlegen ei-
nes Bewegungsmotives „Fisch“
Gestaltungsprinzip: „Kombinieren
und Komponieren“
Gestaltungsparameter: Form (Bewe-
gungsform), Raum (Raumweg)
Sozialform: Partnerarbeit
Die SuS finden sich paarweise
zusammen und bekommen die
Aufgabe, ihre Lieblings-Wellenbe -
wegungen so zu kombinieren und
wiederholbar zu machen, dass der
Eindruck eines Fisches entsteht. Da-
bei können sie sich entscheiden, ob
sie beide zusammen oder jeder für
sich einen einzelnen Fisch darstel -
len. Es soll auch auf die letzten Stun-
den zurückgeblickt und gemeinsam
überlegt werden, welche Körper -
wellen es gibt und was davon ge -
nutzt werden kann. Das in den Un-
terrichtseinheiten entdeckte Bewe -
gungsmaterial kann nun zu einer
Form zusammengesetzt werden.
Die Aufgabe der Lehrkraft ist es,
diese Phase beratend und unterstüt-
zend zu begleiten, nicht aber selber
zu stark in den Gestaltungsprozess
einzugreifen. Entscheidend ist da -
bei die Fähigkeit, sich auf neue, un -
he Punkte 1-4) geändert werden
dürfen. Weitere Aufgabenstellun-
gen beziehen dann auch die Fort-
bewegung mit ein. Die SuS starten
in Bodenposition, entwickeln die
Bewegungen von klein nach groß
und kommen dann in die Fortbe -
wegung. Bei möglichem Aufeinan-
dertreffen haben die SuS die Aufga-
be, sich umeinander herum oder
unter- bzw. übereinander her zu be-
wegen.
● Vorstellungsbild „Schwarm“
Gestaltungsprinzip: „Sich ähnlich
machen, Nachmachen“
Gestaltungsparameter: Form (Bewe-
gungsform)
Sozialform: Kleingruppe
Das Thema „Anpassung an Wellen -
bewegungen“ wird vertieft, indem
die SuS in Vierergruppen zusam -
mengehen (A, B, C, D). Die vier SuS
stellen sich in Form einer Raute auf.
Alle wenden sich in die gleiche
Richtung wie A. Damit steht A vor -
ne und die Mitschüler im Rücken.
Alle imitieren nun die Wellenbewe-
gungen von A. Nach einer Weile
wendet A sich zu B, der die Führung
übernimmt und in eine andere, ei-
gene Bewegungsführung überleitet.
Wichtig ist, dass es bei den Über -
gängen keine Brüche gibt, sondern
die von A begonnene Bewegung
von B aufgegriffen und abgewan -
delt wird u.s.w. Die Herausforde -
rung besteht darin, sich den Bewe -
gungen der Anderen anzupassen
und somit weitere Bewegungsmög-
lichkeiten zu entdecken.
2. Doppelstunde: „Fische“
Ausgangspunkt: „Fische“
Ziel: Entwickeln und Festlegen
eines Bewegungsmotivs „Fisch“
Der Einstieg beginnt mit einer
Frage: „Welche Fischarten kennt
ihr? Welche Fische gibt es im Meer?“
Zur Vorbereitung kann im Biologie-
unterricht das Thema Meerestiere
behandelt werden, indem, je nach
gewohnte und originelle Ideen der
SuS einzulassen.
● Anpassung der Bewegungen
an Musik
Gestaltungsprinzip: „Rhythmisieren“
Gestaltungsparameter: Zeit
Sozialform: Partnerarbeit
Die Aufgabe besteht darin, die
Fischbewegungen selbstständig der
Musik anzupassen. Wichtig ist hier
zu differenzieren:
Sollen die Fischbewegungen zu
Musikteil A + A´ oder zu dem Teil
B+B´ oder zum Teil C passen?
Hier muss die Lehrperson gegebe -
nenfalls koordinierend und helfend
eingreifen und die von den SuS
entwickelten Bewegungen durch
rhythmisches Sprechen unterstützen
sowie in der Länge auf die entspre-
chenden Musikteile anpassen.
● Hinweis zur Zusammenarbeit
mit dem Musikunterricht
Wichtig für die Bewegungsgestal -
tung ist eine genaue Kenntnis der
Länge der einzelnen Musikphrasen,
damit die SuS ihre Bewegungen
passend zur Musik gestalten können.
In Zusammenarbeit mit dem Musik-
unterricht können dazu die Musik -
stücke analysiert werden, indem
den SuS die Musik vorgespielt wird
und sie Gelegenheit erhalten, Zeich-
nungen gegenständlicher oder ab-
strakter Art anzufertigen. So können
die einzelnen Musikphrasen (A,
A´, B, B´…) veranschaulicht werden.
3. Doppelstunde: Überarbeiten
und Festigen der „Gruppen-
choreographie das Aquarium“
● Präsentieren, Reflektieren &
Schwarmfische einstudieren
Gestaltungsprinzip: „Reflektieren und
Überarbeiten“
Gestaltungsparameter: Form (Bewe-
gungsform), Raum (Raumweg)
Sozialform: Grußgruppe (3 x 8-10)
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Gestalten, T anzen, Darstellen Gymnastik, T anz
aus: Lehrhilfen für den sportunterricht, Schorndorf, 58 (2009), Heft 10  93
Die SuS zeigen sich gegenseitig die
Fischbewegungen. Innerhalb der
Gruppe darf jede/r das entwickelte
Bewegungsmotiv vorstellen. Die
Gruppe kann in dieser Phase auch
Rückmeldungen geben als Antwort
auf die Fragen:
„Welchen Fisch haben wir gesehen
und wie könnte man ihn noch
deutlicher machen?“
„Eignet sich der Fisch auch als
Schwarmfisch?“ Die verschiedenen
Vorschläge werden aufgenommen
und die Klasse verteilt sich auf
2-3 mögliche Schwarmfischmotive,
welche von den Gruppen gelernt
werden.
● Gestaltung der Gruppencho -
reographie „das Aquarium“
Ausgangspunkt: Musikstück „das
Aquarium“
Ziel: Gruppenchoreographie zum
Musikstück
Gestaltungsprinzip: Überarbeiten
und Festigen der Gestaltung
Gestaltungsparameter: Form (forma-
ler Aufbau), Zeit
Für die Gestaltung der Gruppen -
choreographie ist es nötig zu wis -
sen, wie viele Wiederholungen,
Durchspiele, welche Anzahl der
Strophen, Refrains und Zwischen-
spiele das Musikstück hat (Struktur
des Musikstückes „das Aquarium“
s.o.). Anschließend teilen sich die
dreißig Kinder der Klasse in Fisch-
gruppen auf. Die Bewegungen der
einen Gruppe passen zu Teil A, der
anderen vielleicht zu Teil B und wie-
derum andere haben sich an Teil C
orientiert. Für einen reibungslosen
Ablauf der Probedurchläufe kann
die Lehrkraft als „Dirigent“ fungie -
ren, der entsprechende Zeichen
gibt, wann die nächsten Fischpaare
oder Schwarmgruppen einsetzen.
Unterrichtsvorhaben zum
Bewegungsthema „Eckig“
(Fossilien)
Anknüpfungspunkte bestehen hier
für die Fächer Erdkunde, Geschichte
und Biologie. Die SuS können im
Vorfeld auf das Thema eingestimmt
werden, indem z. B. im Erdkunde-
und Biologieunterricht die Zusam-
mensetzung und Entstehung von Erd-
schichten, Gesteinen sowie z. B.
von Landschaften wie der Eifel und
fossilen Brennstoffen thematisiert
wird. Im Geschichtsunterricht könnte
die Entwicklungsgeschichte der Erde
und der Dinosaurier behandelt und
eventuell ein Museum besucht wer-
den. Als Inspirationshilfe und Ge -
staltungsanlass sollen die SuS zu
dieser Stunde Fossilienbilder mit -
bringen.
4. Doppelstunde „Versteinert sein“
Ausgangspunkt: „Fossilienbilder“
Ziel: Körper- und Gelenkstellungen
entdecken
Es geht darum, den Körper mit sei-
nen möglichen Gelenkstellungen
zu entdecken.
● „Versteinert sein“ im Fossilien-
museum
Gestaltungsprinzip: „Sich ähnlich
machen“
Gestaltungskriterium: Form (Bewe-
gungsform), Raum (Ebenen)
Sozialform: Partnerarbeit
Die SuS gehen in Paaren zusammen.
Der eine bringt den anderen in eine
fossilien-ähnliche eckig-verwrungene
Körperform.
A formt B von innen nach außen,
d.h. durch Verschiebung der Ober -
körperposition, der Arme, Beine,
Kopfhaltungen und modelliert
schließlich Hände, Fingergelenke
und Mimik.
Die Anfangsposition ist liegend,
dann Halbsitzen, Sitzen, Knien,
Halbstehen, Stehen evtl. auf einem
Bein.
B hat eine bewegte Körperspan -
nung und führt die Bewegungen,
die A vorschlägt, aus und hält sie.
o Runde 1: verbale Anweisungen
und Vormachen von A.
o Runde 2: Anweisungen von A,
ohne zu sprechen, nur taktil.
Die Rollen werden nach Runde 1
und 2 gewechselt.
Tab. 2: Beispiel für die Struktur der Musikstücke „das Aquarium“ und
„Fossilien“ (als Skizze für den Einsatz im Unterricht)
Musikstruktur
„das Aquarium“
Musikstruktur
„Fossilien“
Gruppeneinsätze
„Fossilien“
A A Gruppe 1
A´ A´ Alle (gleichzeitig)
B A Gruppe 2
A A´ Alle
A` B Gruppe 3,4,5
B B´ Gruppe 1 raus
A´´ C Gruppe 6
C C´ Gruppe 2
D A Gruppe 1
C A´ Alle
D A Gruppe 2
E A´ Alle
D Gruppe 7
D´ Gruppe 7
A´´ Gruppe1
A´´ Alle
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Gestalten, T anzen, Darstellen Gymnastik, T anz
94 aus: Lehrhilfen für den sportunterricht, Schorndorf, 58 (2009), Heft 10
● Gemeinsame Reflexion/Aus-
wertungsgespräch
Sozialform: Gruppe
Wenn alle Körper geformt sind, ent-
fernen sich die Modellierer und be-
trachten die unterschiedlichen Posi-
tionen und Gelenkstellungen.
Fragen: „Können Parallelen zu den
Fossilienbildern erkannt werden?“;
„Wie verändert sich der Ausdruck
durch Nachbessern, z. B. durch an -
dere Neigung, mehr Aufrichtung,
stärkere Verwringung, übertriebene
Mimik (verzerrtes Gesicht)?“ Die
Geformten berichten daraufhin
über die verschiedenen Positionen,
in die sie gebracht wurden.
„Was war ungewohnt, was war an-
genehm, was war unangenehm?“
5. Doppelstunde:
„Staccato-Bewegungen“
Ausgangspunkt: „ die Fossilien erwa-
chen“
Ziel: Es geht um das Entwickeln von
Staccato-Bewegungen und das Fest-
legen einer Bewegungsfolge aus
„versteinerten Posen“.
● Drei eckige Fossilien-Posen
Gestaltungsprinzip: „Sich ähnlich
machen, Verfremden“
Gestaltungsparameter: Form (Kör -
perform), Raum (Levels)
Sozialform: Einzelarbeit
Die Lehrkraft gibt die Aufgabe, dass
jede/r für sich drei eckige Körper -
haltungen festlegen soll. Dazu dür -
fen sich die SuS an der Übung „Fos-
silienmuseum“ orientieren. Es ist
wichtig, die ganzkörperlichen Po -
sen in verschiedenen Levels (hoch,
mittel, tief) auszuführen.
● Staccato-Bewegungen rhythmi-
sieren
Gestaltungsprinzip: „Sich anpassen“
an Musik
Gestaltungskriterien: Form (Bewe-
gungsform), Zeit (staccato)
Sozialform: Einzelarbeit
Dieser Teil ist sehr stark von der
Musik geprägt, denn es geht jetzt
„von der Versteinerung in die Be -
wegung“. Die Melodie des Musik -
teils A+A´ steht im Vordergrund
und soll in Bewegung umgesetzt
werden.
Alle haben die Aufgabe, ein Gelenk
(z. B. Oberarm) der ersten festge -
legten Fossilien-Pose im Rhythmus
der Musik zu bewegen. Die Bewe -
gungsqualität ist dabei abgehackt
(staccato). Die Lehrkraft unterstützt
durch Bewegungsbegleitung mit
der Stimme (oder Klatschen) und
die SuS sollen festlegen, welche Ge-
lenke sie innerhalb der drei Posen
staccato bewegen möchten. Dabei
kann es auch in die Fortbewegung
gehen.
● Fossilienbewegungen festlegen
Gestaltungsprinzip: „Verändern und
Verfremden“, „Kontrastieren“
Gestaltungskriterium: Raum, Zeit
Sozialform: Kleingruppe
SuS sollen die Fossilienbewegungen
miteinander kombinieren. Es kann
in Kleingruppen gearbeitet wer -
den, wobei es günstig ist, wenn
möglichst kontrastreiche Paare ge-
bildet werden. Dafür können sich
die SuS in Kleingruppen ihre Fossi -
lienbewegungen präsentieren. Sie
koordinieren nun in der Klein-
gruppe ihre Bewegungsabläufe
und stimmen sie aufeinander ab.
6. Doppelstunde: Überarbeiten
und Festigen der Gruppen-
choreographie „die Fossilien“
Ausgangspunkt: Musikstück „Die
Fossilien“
Ziel: Gruppenchoreographie zum
Musikstück
Gestaltungsprinzip: Überarbeiten
und Festigen der Gestaltung
Dabei ist es wichtig zu wissen, wie
viele Wiederholungen/Durchspiele,
welche Anzahl der Strophen, Re -
frains und Zwischenspiele das Mu -
sikstück hat.
Die Klasse bildet ein „Standbild“ in
mehreren Schichten an einer Hallen-
rückwand. Dieses Standbild spiegelt
verschiedene „Fossilienschichten“
wider. In Kleingruppen lösen sich
dann die „Fossilien“ von der Schicht
und erwachen zum Leben. Die wei -
teren Gruppen sind wiederum ver -
schiedenen Musikteilen zugeord-
net, welche auch untereinander in
Interaktion treten können. Beachtet
werden muss, dass die Fortbewe -
gungswege durch die teils mini -
malistische Gelenksarbeit nicht so
groß sein können, wie bei den
Fischbewegungen.
● Zum Abschluss … eine Präsen-
tation
Einsatz und Umgang mit den Bewe-
gungsthemen „Rund“ und „Eckig“
in einem gestaltungsorientierten
Unterrichtsvorhaben wurden exem-
plarisch anhand der Stücke „Aquari-
um“ und „Fossilien“ aufgezeigt. Es
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Gestalten, T anzen, Darstellen Gymnastik, T anz
aus: Lehrhilfen für den sportunterricht, Schorndorf, 58 (2009), Heft 10  95
besteht auch die Möglichkeit, ande-
re Sequenzen und Elemente des
„Karneval der Tiere“ von den SuS in
Eigenregie erarbeiten zu lassen.
Hierzu bieten sich die Stücke, wie
„die Kängurus“, „der Löwe“ und
„die Elefanten“ usw. an, da sie in der
Länge kurz und von der Musikstruk-
tur her ebenso übersichtlich gehal -
ten sind, sodass sich die im Unter -
richt erarbeiteten Prinzipien auf die
selbstständige Arbeit der SuS über -
tragen lassen. Ziel könnte eine
Schulaufführung sein, in der die er -
arbeiteten Elemente zu einer Auf -
führung zusammengesetzt und Mit-
schülern und Eltern präsentiert
werden.
Fazit
● Rund und eckig wellig und
zackig
Im Mittelpunkt steht das Erfahren
verschiedener Bewegungsquali-
täten. „Rund“ bedeutet für den Ein-
satz des Körpers die Bewegungen
der einzelnen Gelenke zu verbin-
den, den Krafteinsatz gleichmäßig
zu dosieren und je nach Bewe-
gungsausmaß neu zu differenzie -
ren. SuS werden gefordert, den
Krafteinsatz in kleinen wie in gro-
ßen Bewegungsamplituden gleich -
mäßig zu verteilen. Beim Thema
Neue Wege in Sport, Spiel, Tanz und
Theater. Von der Alternativen Bewe-
gungskultur zur Neuen Sportkultur. Ein
Handbuch, Lichtenau: AOL-Verlag,
S.240-251.
Tiedt, W. (1999). Bewegungstheater. In
Günzel, W. & Laging, R. (Hrsg.): Neues
Taschenbuch des Sportunterrichts. Di -
daktische Konzepte und Unterrichts-
praxis, Bd. 2 Baltmannsweiler: Schnei-
der Verlag Hohengehren. (S. 309-336).
Tiedt, A. (2001). Bewegende Verse. Wie
aus einem Gedicht Bewegung wurde.
Sportpädagogik 25 (5). (S. 28-31).
Unterrichtsmaterialien
Musik:
Prokofieff, Sergej (Komponist) (1993).
Loriots Karneval der Tiere, English Cham-
ber Orchestra, Titel 5-21
Video/Film:
- Der blaue Planet (DVD). Regie: Kitt,
Hildegard. Laufzeit: 25 Min. Studio:
Bavarian Video Verlag
- Findet Nemo (Originaltitel: Finding
Nemo) (2003). Pixar Animation Studios,
Walt Disney und Buena Vista (Hrsg.)
Bilder
- Fischtabelle: Geodia (2000). Memo-
fish 260 Arten des Roten Meeres.
ISBN: 88-87177-25-2
- Fossilienbilder
Claudia Behrens
(jetzt Dr. Claudia
Steinberg)
Anschrift der Verfasserin:
Johannes Gutenberg Universität Mainz
Abt. Sportpädagogik
und Sportdidaktik
„Eckig“ werden technisch-anato-
mische Möglichkeiten der Gelenke
in einer anderen Form erfahren. Es
geht um die Möglichkeiten des Beu-
gens, Streckens und Drehens in Ge-
lenken und des Verwringens in Ge-
lenkstellungen und Haltungen des
Körpers. Aspekte aus der Zweck -
gymnastik finden hier auf tänze -
rischer und darstellerischer Ebene
Anwendung. Das abgehackte Stac -
cato der entwickelten Bewegungs -
folgen steht dabei im Gegensatz zu
den legato geführten Bewegungen
der ersten Stunden. Um den kon-
trastreichen Einsatz des Körpers zu
verdeutlichen, können in einer ab -
schließenden Einheit abwechseln-
de Durchläufe der Gruppenchoreo-
graphien durchgeführt werden.
Durch den Wechsel der Sozial-
formen von der Einzelarbeit über
die Partner- bis hin zur Gruppenar -
beit können die SuS den eigenen
Körper wahrnehmen und den Kör -
per der Anderen mit den möglichen
Gelenkstellungen und Haltungen
erfahren.
Literaturangaben
Klinge, A. & Freytag, V. (2007). Gute Auf -
gaben zum Tanzen (er-)finden. Sportpä-
dagogik 31 (4). S. 4-11.
Klinge, A. (2008). Gestalten. In: H. Lange,
& Sinning, S. (Hrsg.). Handbuch Sportdi-
daktik. Balingen: Spitta Verlag, S. 401-411.
Neuber, N. (2002). Bewegung als gestaltbares
Material. Der künstlerischpädagogische
Ansatz der Bewegungserziehung.
sportunterricht 51 (12), S. 363-369.
Pinok & Matho (1987). Dynamik der Krea-
tion, Wort und Körpersprache, Köln.
Tiedt, W. (1995a). Bewegungstheater. Be-
wegung als Theater, Theater mit Bewe-
gung. Sportpädagogik 19 (2), S. 15-24.
Tiedt, W. (1995b). Bewegungstheater, Un-
terrichtsplanung und Realisation. In Pa-
welke, R. (Hrsg.). Neue Sportkultur.
Steinwasenstraße 68  73614 Schorndorf  Telefon (0 71 81) 402-0  Fax (0 71 81) 402-111
Internet: www.hofmann-verlag.de  E-Mail: hofmann@svk.de
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